Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 113 (sequence 111)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 113 — lästina Boden, angekauft hat. Wenn Herr Sokolow dies mitgeteilt hätte, hätten Sie ihm gewiß Beifall gespendet. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Vizepräs. Dr. Gaster: Herr Kaplansky, ich mache Sie aufmerksam, daß Sie nur noch eine Minute sprechen können. Del. Kaplansky: Pardon, bei der Wahl von Generalrednern ist die Redezeit unbeschränkt. Ich kann aber dem Herrn Präsidenten versprechen, daß ich diese unbeschränkte Redezeit nicht mißbrauchen werde. Vizepräs. Dr. Gaster: Solange der Kongreß keine Aenderung der Zehnminuten-Bestimmung vorgenommen hat, gilt der Beschluß für alle Redner. Del. Kaplansky: Ich muß um Entschuldigung bitten. In der Geschäftsordnung heißt es ausdrücklich, falls Generalredner gewählt werden, bezieht sich der Beschluß der Einschränkung der Redezeit nicht auf die Generalredner. Vizepräs. Dr. Gaster: Ich bitte. Del. Kaplansky: Nachdem der Herr Präsident mir recht gibt, werde ich mir erlauben, fortzusetzen; allerdings kann der Herr Präsident sicher sein, daß ich die unbeschränkte Redezeit nicht mißbrauchen werde. Also, wie gesagt, wenn Herr Sokolow mitgeteilt hätte, daß in Palästina Boden gekauft wurde, hätten Sie gewiß Beifall geklatscht. Etwas wurde aber hier in der ganzen Debatte nicht berührt, und ich richte an das A. C. eine positive Anfrage, auf die ich eine Antwort verlange: Warum wurden auf dem Boden des jüdischen Nationalfonds Araber als Pächter oder Arbeiter angestellt, und welche Anstrengungen hat das A. C. gemacht, um diesen schmachvollen und schmerzlichen Zustand für den Zionismus zu verhindern? Man wird uns gewiß antworten, das A. C. hat arabische oder fellachische Pächter angestellt, weil der Boden des Nationalfonds nicht unbearbeitet brach liegen darf und nach drei Jahren sonst Staatseigentum werden würde. Das ist ganz richtig. Wichtiger für mich wäre der Teil meiner iVnfrage: Was hat das A. C. getan, um dafür zu sorgen, daß der Boden des jüdischen Nationalfonds mit jüdischen Händen, von jüdischen Arbeitern bearbeitet wird? (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Auf diese Frage verlange ich eine klare Antwort. Die Frage ist damit keineswegs erledigt und erschöpft. Ich kann gewiß dem A. C. vorgreifen, indem ich Ihnen selbst sage, wie schwer es dem A. C. oder der Palästina-Kommission war, jüdische Pächter für den Boden des Nationalfonds zu finden. Es ist eine Tatsache, und alle Vertreter der palästinensischen Judenheit und palästinensischen Arbeiterschaft, die auf diesem Kongresse vertreten sind, werden Ihnen zugeben, daß es fast unmöglich war, in Palästina jüdische Pächter zu bekommen. Die Juden, die nach Palästina gelangen, wollen Besitzer des Bodens werden, und in dieser Beziehung ist in Palästina bis jetzt vielleicht sehr viel geschehen. Der jüdische Bodenbesitz in Palästina hat sich vergrößert. Nun ist aber der Bodenbesitz in Palästina nicht das Ziel des Zionismus, und das Hegt nicht im Interesse der jüdischen Befreiungsbewegung in Palästina. Es handelt sich nicht darum, in Palästina den jüdischen Bodenbesitz zu vergrößern und zu stärken, sondern darum, daß der Boden Palästinas von Juden bearbeitet wird. (Lebhafter Beifall und Lländeklatschen.) Ich mache den hohen Kongreß darauf aufmerksam, daß diese Frage eigentlich im Mittelpunkt seiner Interessen und im Mittelpunkt seiner Arbeiten stehen sollte. Man hat es für möglich gefunden, in Palästina den Bodenbesitz zu vergrößern. Es haben sich aber alle den Kopf bis jetzt nicht darüber zerbrochen: Wie bringt man es zustande, daß in Palästina ein jüdischer Arbeiterstand und ein seines Ertrages sicherer Bauernstand entsteht? Alle Institutionen, die in Palästina gearbeitet haben, sind vielleicht geeignet, einen jüdischen Großgrundbesitz oder jüdischen Gutsbesitz in Pa-