Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 112 (sequence 110)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 112 — wollte ich speziell über diese Aktion unseres Vollzugsorgans aussprechen. Wir bemerken aber nicht nur in dieser einen Tatsache, sondern in der ganzen Politik des A. C. eine Untätigkeit und Unentschlossenheit, — es wäre überhaupt schwer, die Politik des A. C. mit einem Worte zu charakterisieren. Herr Dr. Nordau hat wohl versucht, die Politik des Zionismus mit gewohnter Meisterschaft in einigen Worten zusammenzufassen. Wir können zweifelsohne den meisten Sätzen dieses großen Meisters rückhaltlos Beifall zollen. Wenn Nordau meint, daß es Pflicht und Aufgabe der zionistischen Bewegung ist, ein Machtfaktor zu werden, so stimmen wir ihm vollkommen bei. Es handelt sich aber darum, wieso es erreicht werden kann. Die Politik, die Nordau uns entwickelt hat — wir denken nicht daran, sie vollständig zu widerlegen, sie hat ja zweifelsohne viel für sich —, läuft im großen und ganzen darauf hinaus, Machtfaktoren zu schaffen, Kräfte zu sammeln, Einrichtungen zu fördern und zu gliedern, kurz und gut, alle Energien des jüdischen Volkes zu konzentrieren, aber, und das ist das Charakteristische, außerhalb Palästinas. Es ist die Wiederholung des Satzes von Herzl, daß der Zionismus die Kreditfähigkeit des jüdischen Volkes zu beweisen habe, um die Aufmerksamkeit der Machthaber auf sich zu lenken. Nun glaube ich, daß wir, um ein Wort Nordaus zu gebrauchen, endlich mit der konventionellen Lüge brechen sollen, daß wir von dieser Tribüne die Aufmerksamkeit der Regierungen durch schöne Reden auf uns lenken und daß uns dies nützlich sein kann. Der Zionismus hat nicht die Aufgabe, die Kreditfähigkeit des jüdischen Volkes zu beweisen, sondern die Kreditfähigkeit des jüdischen Landes. Er hat die Aufgabe, in Palästina durch stete und energische Arbeit eine Kreditbasis zu schaffen, um das internationale Kapital heranzuziehen und auf solche Weise eine Massenemigration und eine Massenkolonisation in Palästina zu ermöglichen. Das ist das Allgemeine, was ich Herrn Dr. Nordau gegenüber bemerken möchte und, insofern das zionistische A. C: sich mit diesen Ausführungen identifiziert, auch gegenüber der Leitung der zionistischen Bewegung. Die Anhänger des sogenannten reinpolitischen Zionismus sind in der letzten Zeit sehr oft geneigt, uns zuzugeben, daß die praktische Arbeit oder, wie ich sagen möchte, die Realpolitik in Palästina ja etwas ganz Gutes und Schönes ist und sie mit uns in diesem Punkte übereinstimmen. Nur, sagen sie, sind günstige Bedingungen für diese Arbeit notwendig. Gestatten Sie demgegenüber zu bemerken, daß die Realpolitik in Palästina nicht ein Sonnenschirm ist, den man nur bei schönem Wetter öffnet. Die reale Arbeit muß ohne Rücksicht darauf, ob die Bedingungen günstig sind oder nicht, ausschließlich mit Rücksicht auf die Kräfte und Potenzen des jüdischen Volkes und im Judenlande geführt werden. Das A. C. hat in dieser Beziehung keine klare Richtschnur uns vorgezeichnet. Die Politik des A. C. speziell in Palästina könnte ich mit einem Worte kennzeichnen. Man hat „fortgewurstelt". Es ist speziell ein österreichischer Ausdruck und stammt von dem gewesenen Ministerpräsidenten Grafen Taaffe, der, als man ihn fragte, was für Politik er betreibe, geantwortet hat: „Wir wursteln "fort." Diese Politik hat auch das A. C. im allgemeinen und speziell in Palästina betrieben. Das A. C. hat sich wohl um die öffentlich-rechtlichen Garantien des Zionismus nicht so bemüht, wie es manche wünschen. Es hat sich vielmehr bemüht, das privatrechtliche Moment in der Palästina-Arbeit, möchte ich sagen, zu betonen. Der Rechenschaftsbericht sagt uns, daß die Bank Darlehnsgeschäfte gemacht hat, daß diese Geschäfte an Umfang gewinnen usw., -kurz wir merkten, daß das A. C. bemüht war, den Besitz in Palästina zu stärken und zu vergrößern^ Wir vermissen aber in dieser Arbeit des A. C. eine ganz andere Seite, und zwar eine sehr wichtige Seite. Der Rechenschaftsbericht hat es leider unterlassen, uns mitzuteilen, daß der Nationalfonds in Pa-