Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 110 (sequence 108)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 110 — arbeiten. Mit 80 000 Mark kann man keine hohe Politik treiben und Palästina weder wissenschaftlich noch kulturell erschließen. Wenn Sie so weiter arbeiten, machen Sie sich vor der ganzen zivilisierten Welt lächerlich; denn wenn 100000 Menschen nichts weiter können, als in einem Jahre für ihre Zentrale eine derartig geringe Summe aufzubringen,, zeigen sie in letzter Linie, daß ihnen die Bewegung nicht zu .Herzen geht und nicht ernst ist. Allerdings gehen ja seit dem Bestände unserer Organisation für den Nationalfonds fortgesetzt größere Beträge ein, die sich ungefähr auf 160000 Mark im Jahre belaufen. Was nützt aber ein Nationalfonds, wenn unsere Bewegung derart finanziell impotent ist, daß Sie nicht arbeiten können.. Erst kommt die Bewegung, dann kommt der Nationalfonds. (Rufe: Sehr richtig!) Ich habe jetzt sehr im Interesse unseres A. C. gesprochen, ich kann aber die Gelegenheit auch nicht vorübergehen lassen, ohne der Zentralbehörde sanfte Vorwürfe zu machen. Das A. C. hat mit den zur Verfügung gestandenen Mitteln auch nicht, mit der absoluten Sparsamkeit gewirtschaftet, die notwendig war. (Dr. Marmor ek: Hört, hört!) Herr Dr. Marmorek, ich glaube, die Gründung von Ha - Olam war nicht absolut so erforderlich und dringend, daß darüber andere hochwichtige Arbeiten vernachlässigt werden mußten. Ich glaube, daß mir Herr Dr. Marmorek in der Frage durchaus recht geben wird. Wir haben in Ha-Olam laut Ausweis des uns überreichten Kassenberichtes ein Jahresdefizit von 51/2 Tausend Mark gemacht, das bedeutet für zwei Jahre ein Defizit von 11 000 Mark oder ein Achtel der gesamten Einnahmen des A. C. Ich möchte ferner noch eine Kleinigkeit erwähnen. Wir haben hier den Bericht des Zentralbureaus überreicht erhalten. Derselbe ist derart elegant gedruckt und in einer so eleganten Enveloppe, daß ich glaube, wir hätten an dieser Kleinigkeit auch 20—30 Mark sparen können, wenn die Sache einfacher und weniger prächtig ausgestattet worden wäre. (Unruhe.) ' Wir in der deutschen Landsmannschaft haben uns auch über die Finanzverhältnisse des Kongresses den Kopf zerbrochen, und ich bin beauftragt, im Namen der deutschen Landsmannschaft folgenden Antrag zu unterbreiten, um dessen Annahme ich Sie in unser aller Namen bitte: „Die deutsche Landsmannschaft fordert die Kongreßgenossen auf, dem A. C. außer dem jährlichen Schekel einen möglichst hohen Jahresbetrag zur Verfügung zu stellen", und ich möchte hinzufügen, daß etwa 20 Herren der deutschen Landsmannschaft in der Sitzung, in der die Sache vorgestern abend angenommen wurde, sich gleich persönlich verpflichtet haben, dem A. C. einen jährlichen Beitrag von 1000 Mark zur Verfügung zu stellen. (Beifall. — Ruf: Wozu?) Zu keinem bestimmten Zwecke, sondern als gute Zionisten, die Vertrauen zur Leitung haben, für die allgemeinen Zwecke der Zentralbehörde. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Wir deutschen Landsmannschafter hoffen, daß die anderen Landsmannschaften unserem Beispiele folgen werden und daß unser Antrag vom Kongreß angenommen wird und daß die Delegierten der Landsmannschaften, wenn sie zu Hause sind, dafür sorgen werden, daß ihre Mitglieder unserem Beispiele folgen und das A. C. mit möglichst vielen Beiträgen unterstützen werden. (Beifall.) Del. Melamed: Wir haben noch ungefähr 20 Redner und werden mit dieser Debatte sicher noch zwei Tage zubringen. Ich beantrage daher, da wir noch ernste Fragen zu behandeln haben, Schluß der Rednerliste. Del. Nassau: Ich beantrage Schluß der Debatte ohne Anhörung der vorgemerkten Redner. (Lebhafter Widerspruch und Lärm.) Vizepräs. Dr. Gaster: Ich bitte um Ruhe. Sie können ja gegen diesen Antrag votieren. In erster Linie kommt der Antrag Melamed, betreffs Schluß der