Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 109 (sequence 107)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 109 — leidenden Volke eine Sprache und Kultur gebracht haben. Ich frage, was hat er mit dem Zionismus, was haben alle Kongresse zur Stillung des Hungers getan? Der Zionismus ist keine Organisation zur Stillung des Hungers, er ist eine nationale Wiedergeburtsbewegung. Er hat weder den Willen noch das Programm, den Hunger zu stillen. Er sagte noch, und darauf muß ich schon jetzt die Antwort geben, indem er zum Schaden den Spott hinzufügte, daß nicht wir Kulturzionisten von der Organisation an die Wand gedrückt wurden, sondern daß wir uns selbst an die Wand gedrückt haben. Das ist eine Verdrehung der Tatsachen. Ich wiederhole, wir wurden systematisch von der Leitung der Bewegung an die W'and gedrückt, bis wir hinausgedrückt wurden auf die Straße. Jahraus, jahrein sind wir hierhergekommen und verlangten, daß der Zionismus mit der geistigen Hebung sich beschäftigen solle. Man hat Beschlüsse gefaßt, es wurde jedoch keiner ausgeführt. Da will ich etwas mitteilen, wozu ich auch durch Dr. Pasmanik provoziert wurde. Als wir vor dem 6. Kongreß zur Ueberzeugung gelangten, daß auf dem Kongreß für die geistige i-Vrbeit der jüdischen Nation nichts auszurichten, daß kein guter Wille für unsere Wünsche vorhanden sei, wollten ich und einige engere Freunde uns einfach neben dem Kongreß eine kleine Organisation schaffen, welche mit den kulturellen Aufgaben des Zionismus sich befassen sollte. Da sagte man uns von der obersten Leitung, daß die Schaffung einer neuen Tribüne neben dem Kongreß Verrat am Zionismus sei und daß alle Judeninteressen auf die Tribüne des Kongresses gehören. Vizepräs. Dr. Tsclilenow: Die zehn Minuten sind um. Del. Dr. Ehrenpreis: Ich bin schon am Schlüsse. Die Frage stellt sich so: Ist der Zionismus lediglich eine Bewegung, um das marxistische Programm in Palästina einzuführen oder die Wiedergeburt der jüdischen Nation als besonderer geistiger Kulturfaktor? (Beifall.) Wir Kulturzionisten behaupten das letztere. Wenn der Kongreß der Ansicht Pasmaniks ist, dann ist für uns kein Platz auf diesem Kongreß. Ich frage klipp und klar: Sind wir eine nationale oder eine ökonomische Bewegung? Antworten Sie! (Beifall.) Del. Dr. Heymann: Meine sehr geehrten Damen und Pierren! Es ist gestern und heute gegen und für unsere Leitung gesprochen worden. Ich möchte mich den Rednern in dieser Hinsicht nicht anschließen, sondern Sie einladen, die zehn Minuten, die mir zugebilligt sind, zu verwenden, um mit mir zusammen einen Blick zu werfen auf die Finanzen des großen A. C. Es ist Ihnen gestern die Bilanz vom A. C. vorgelegt worden. Ich möchte Sie fragen: Glaubt jemand, daß, solange die Finanzen unserer obersten Zentralbehörde auf einen Eingang von 80 000 Mk. in einem Jahre — voriges Jahr waren es gar nur 60 000 Mk. — sich beschränken, diese damit etwas ausrichten kann? Wenn Sie die großen anderen jüdischen Organisationen in Betracht ziehen — ich will nicht von der Jewisch Colonisation Association sprechen —, so arbeiten diese Organisationen mit ganz anderen Mitteln und haben dabei viel weniger komplizierte Aufgaben, weil sie nicht in dem Maße demokratische Bewegungen sind wie die unsere, sondern von einer Stelle alles dekretiert und alles einheitlich gemacht wird, während die Arbeit bei uns wegen des demokratischen Charakters der Organisation viel schwerer ist. Also, meine Pierren, welcher Meinung Sie auch sind, ob Sie nun mehr für die praktische Palästina-Arbeit oder für die politische Palästina-Arbeit sind — Palästinenser sind wir alle hier! — (lebhafte Zustimmung) : das erste ist, die Finanzen unserer Organisation zu verbessern. Wir brauchen erstens Geld, zweitens Geld und drittens Geld und weniger Reden. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Die Hauptaufgabe dieses Kongresses ist nach meiner Auffassung, einmal eingehend und gründlich für die Verbesserung der Finanzen unserer Zentralbehörden zu sorgen. So kann man weder praktisch noch politisch