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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1907-01-01 · 8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907 · p. Seite 107

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907
Date
1907-01-01
Page
Seite 107 (sequence 105)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
…/3476254-3476270--2682-3478822
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— 107 — Und nun gestatten Sie mir, einige Bemerkungen über die Lage der zionistischen Bev/egung in Rußland zu machen. Für die zionistische Bewegung in Rußland war die Berichtsperiode zweifellos die traurigste seit dem Bestehen des Zionismus. Die ungeheure Krise des jüdischen Lebens in Rußland während der letzten zwei Jahre mit seinen blutigen, schauererregenden Ereignissen mußte das zionistische Leben in höchstem Grade beeinflussen. Jede Bewegung, jedes Problem, welches etwas hinausging über das Ziel der Befriedigung der momentanen Not, mußte zurückgestellt, zeitweise beiseite geschoben werden. LTnd da unsere Bewegung keine klare, positive Antwort auf die Not des Momentes geben konnte, mußte sie in starke Mitleidenschaft gezogen werden. Ja, es war sogar eine gewisse Zeit, wo es psychologisch und technisch unmöglich war, die praktische Betätigung der zionistischen Arbeit durchzuführen. Der Beginn der russischen Revolution erweckte in den jüdischen Massen die Hoffnung, daß nun bald mit dem Siege der Befreiungsbewegung die Schicksale der sechs Millionen Juden Rußlands gerettet sind, und die natürliche Folge davon war, daß die überwältigende Mehrheit des jüdischen Volkesmit einer berauschenden Begeisterung sich der Revolution angeschlossen hat; und es wäre eine herzlose Grausamkeit, diese historische Illusion auch nur im mindesten abzuschwächen. Während dieser Periode mußte natürlich die zionistische Bewegung sich nur auf den engsten Kreis ihrer treuesten Anhänger beschränken und von einer Propaganda zeitweise Abstand nehmen. Der orkanartige Sturm der Krawalle in über 200 jüdischen Gemeinden und die fortwährende Angst vor Ausbruch von Krawallen brachte eine Ruinierung der Organisation mit - sich. Von 1500 Punkten, wo wir in früheren Jahren Schekelzahler hatten, sind nur von etwa 350 die Schekelzahlungen eingetroffen. Die übrigen Vereine und Organisationen haben ^zeitweise ihre Tätigkeit aufgegeben. Viele der rührigsten und aktivsten Kräfte haben Rußland durch Emigration verlassen, andere wurden während der Krawalle zum Ruin gebracht, weitere andere haben gänzlich ihre Kräfte der Revolution zur Verfügung gesteilt. Und wieder andere sind gänzlich dem verzweifelten Indifferentismus verfallen. In dieser Zeit des Verfalls bot sich in der zionistischen Welt Rußlands ein Streben nach Schaffung einer Zentralstelle, welche den sämtlichen Erscheinungen des Tages Rechnung tragen könnte und der Sachlage gemäß rasch und entschlossen den zionistischen Einzelelementen Direktiven und Instruktionen erteilen sollte. Dieses Streben brachte es mit sich, daß auf dem in Helsingfors im Jahre 1906 zusammengetretenen Delegiertentag ein Zentralkomitee für Rußland geschaffen wurde. Die Krise im Zionismus in Rußland ist noch nicht vollkommen beendigt. Wir müssen gefaßt sein, daß eine schwache Beteiligung desselben, wenigstens in materieller Hinsicht, in den ersten Jahren noch stattfinden wird. Trotz dieser temporären Krise ist der Boden für den Zionismus in Rußland sehr empfänglich, und wenn es möglich wäre, unser Land Palästina soweit vorzubereiten, daß es einen wesentlichen Teil der jährlichen Emigration aufnehmen könnte, hätte der Zionismus einen gewaltigen Aufschwung genommen, Aus den hier vorgebrachten Gründen werden Sie uns vielleicht die beschämende Tatsache verzeihen, daß von den Zionisten Rußlands im 9. Kongreß jähre nur 3000 Mark und im 10. Kongreß jähre 13 000 Mark dem A. C. zur Verfügung gestellt werden konnten. Trotzdem diese Krawalle allen Parteien den Ruin gebracht haben . . . Vizepräs. Dr. Tschlenow: Ihre Zeit ist um! (Rufe: Fortfahren!) Ich. frage den Kongreß, ob er Herrn Goldberg weiter hören will. (Zustimmung.) Der Kongreß beschließt, Herrn Goldberg weiter reden zu lassen. Del. Boris Goldberg: Der Eintritt des quasi konstitutionellen Systems

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