Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 104 (sequence 102)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3476254-3476270--2679-3478819- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 104 — wir wollten, daß der Zionismus praktisch geführt werden solle, daß eine Richtung die andere nicht störe, sondern beide zur Verwirklichung des Baseler Programms schreiten. Trotzdem haben wir aber gesehen, daß die Herren im A. C. die Maschine jeder nach seiner Richtung ziehen wollten. Wenn jemand eine praktische Tat vollführen wollte, so wurde sofort der Vorwurf erhoben, daß das Chowewe-Zionismus sei. Wir müssen einmal feststellen, was das ist. Wenn man jede praktische Tat in Palastina Chowewe- Zionismus schelten wird, dann wird man nie etwas Praktisches schaffen können. Wenn man unter Chowewe-Zionismus ein unsystematisches, bloß auf Philantropie aufgebautes Programm versteht, müssen wir diese Tätigkeit verwerfen. Diese ist nicht am Platze, weil wir eine größere Platform geschaffen haben. Wenn man aber eine praktische Tat Chowewe-Zionismus nennen will, so ist dies eine schlechte Bezeichnung. Die Schwierigkeit liegt darin, daß viele Herren — das geschieht oft und auch hier am Kongreß —- den Endzweck mit den Mitteln verwechseln. Was der Endzweck ist, das wissen alle: die Schaffung einer öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. Aber die Wege dahin sind verschieden. Sowohl in politischer Richtung kann darauf hingesteuert werden, als auch durch praktische Arbeit in Palästina. Wenn, wir streben, Palästina wirtschaftlich zu erobern, um in Palästina immer mehr Kräfte für die Juden zu schaffen, um die dortigen Juden zu stärken und ihnen neue Stätten zu schaffen, so ist das kein Chowewe-Zionismus, sondern echte politische Tat. (Beifall.) Das alles verlangen wir vom A. C, und wir müssen es bedauern, daß das A. C. in dieser Richtung nichts unternommen und kein Programm aufgestellt hat, daß* es nichts in die Außenwelt dringen läßt, um zu zeigen, daß es auf diesem Standpunkte gestanden hat. Die österreichische Landsmannschaft erlaubt sich daher folgende Thesen, welche sie auf dem Bielitzer Parteitag angenommen hat, dem Kongreß als Platform für die weitere Tätigkeit des A. C. und des Kongresses vorzuschlagen: Der achte Kongreß erachtet die praktische Arbeit in Palästina, sofern sie parallel mit der politischen Aktion geleistet und von politischen Gesichtspunkten aus geleitet wird, für unbedingt notwendig zur Erforschung und Erschließung des Landes, zur Stärkung der realen Position der Juden in Palästina, zur Hebung ihres kulturellen Niveaus und zur Schaffung der praktischen Vorbedingungen für eine künftige jüdische Massensiedlung/' Das ist die Platform, welche die österreichischen Zionisten vorschlagen, und ich glaube, sie wird im Sinne des Kongresses sein und angenommen werden. Die österreichische Landsmannschaft hat noch einige praktische Vorschläge, welche dieselbe bei Beratung über die Angelegenheit der Palästina- Kommission machen wird, und zwar beziehen sie sich auf Schaffung einer Vertretung des A. C. in Konstantinopel, Schaffung eines Palästinafonds nach dem Vorschlag von Professor Warburg und darauf, daß die politische Tätigkeit dahin gehen soll, Konzessionen für uns in Palästina zu gewinnen. Dies alles gehört zu den Palästina-Kommissions-Anträgen, die wir später noch stellen werden. Meine Redezeit ist bald vorüber. Ich möchte noch eins in bezug auf die innerpolitische Tätigkeit erwähnen. Wir sind der Meinung, daß diese Angelegenheit vor dem hohen Kongresse nicht vorgebracht werden soll. Das ist eine Angelegenheit, welche jedes Land separat interessiert. (Sehr richtig!) Was für uns in Oesterreich richtig war, kann für Deutschland oder Bulgarien zum Beispiel ganz unrichtig sein. Bei uns in Oesterreich und in Rußland hat das jüdische Leben die Entwicklung der jüdischnationalen Idee so weit gebracht, daß das Leben und die Verhältnisse die Zionisten gezwungen haben, dort einzugreifen, wo sie eingreifen mußten, um. nicht vollständig den Kontakt mit den Massen zu verlieren. (Lebhafter Beifall)