Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 98 (sequence 96)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 98 — gleichgültig ist, ob eine stürmische Ablehnung erfolgt oder eine fast allgemeine Annahme. W a s ist nun doch geschehen, wenn diese vier Beschlüsse nicht durchgeführt wurden? Nun, es ist einiges geschehen. (Unruhe. — Vizepräs. Dr. Gast er: Order! Order!) Man hat bald nach dem 7. Kongreß eine Konferenz nach Brüssel einberufen, um die jüdischen Organisationen zu einer gemeinsamen Aktion zu bewegen. Aber diese Konferenz wurde einberufen, ohne daß von unserer Seite ein Plan vorgelegen hätte. Man hat sich einfach darauf verlassen, daß die Verhandlungen der Brüsseler Konferenz irgend ein Zufallsprodukt hervorbringen werden, und doch hätte es etwas gegeben, was die Zionisten hätten vorschlagen können, . . . Vizepräs. Dr. Gaster: Sie haben noch eine Minute. Del. Trietsch: . . . ohne die Brüsseler Konferenz einseitig zionistisch zu beeinflussen. Wenn die Zionisten eine allgemeine Konferenz einberiefen, mußten sie eine Losung geben, und eine solche hatte schon dem 7. Kongreß vorgelegen. Aber diese Losung ist statt von uns von anderer Seite aufgegriffen worden, und zwar zu unserem großen Schaden. Vizepräs. Dr. Gaster: Ihre Redezeit ist um. (Rufe: Weiterreden!) Del. Trietsch: Darf ich den Kongreß befragen? Del. Rosenthal: Ich beantrage, Herrn Trietsch weitere zehn Minuten zu bewilligen. Del. Wolffsohn: Ich unterstütze diesen Antrag. Del. Co wen: Entweder sind wir ein Kongreß oder nicht! Entweder wird anerkannt, was wir beschlossen haben, oder nicht! Vizepräs. Dr. Gaster: Mr. Cowen ist dagegen. Der Kongreß entscheidet souverän. Wer für den Antrag ist, erhebe die Hand. (Geschieht.) Gegenprobe! (Dieselbe erfolgt.) Der Antrag ist angenommen. (Lebhafter Beifall.) Del. Cowen: Ich bitte um das Wort zur Tagesordnung. Vizepräs, Dr. Gaster: Order! Order! Del. Trietsch: Meine Damen und Herren! . . . (Zwischenruf des Del. C o w e n.) Vizepräs. Dr. Gaster: Jetzt hat Herr Trietsch das Wort! (Lärm und Zwischenrufe des Del. C o w e n.) Del. Trietsch: Meine Damen und Herren! (Andauernder Lärm.) Vizepräs. Dr. Gaster: Order! Order! Del. Trietsch: Meine Damen und Herren! (Großer Lärm und Zwischenrufe.) Vizepräs. Dr. Gaster (das Hammerzeichen gebend): Order! Order! (Großer Lärm.) Der Kongreß muß seinen eigenen Beschluß respektieren. Es wurde der Beschluß angenommen, Herrn Trietsch weitere zehn Minuten zu gestatten. Große Unruhe. — Cowen spricht englisch.) Mr. Cowen wünscht, daß diese Resolution nicht angenommen werden soll! (Erneute Unruhe.) Order, Order, meine Herren! Herr Trietsch, Sie haben weitere zehn Minuten, von jetzt ab gerechnet. Del. Trietsch (fortfahrend): Meine Damen und Herren! Die große Lösung der Frage für die Brüsseler Konferenz lag darin, das jüdische Auswanderungsamt zu schaffen, von dem in zionistischen Kreisen viel die Rede war und für cfcas ich auf dem 7. Kongreß einen Antrag eingebracht habe, der auf merkwürdige Weise zur Ablehnung kam. Dasselbe Auswanderungsamt, nur in einem zionistischeren und vernünftigeren Sinne als das, welches nachher zu einer großartigen Aktion aufgebauscht wurde, die doch eine große Anzahl repräsentativer Juden in allen Ländern der Welt um sich geschart hat. Das Resultat, das die I. T. O. erreicht hat, hätten w i r erreichen können, und wenn es durch uns der Brüsseler Konferenz vorgelegt worden wäre, wäre es ein zionistisches Aus-