Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 94 (sequence 92)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 94 — schient.) Ich bitte um die Gegenprobe. (Dieselbe erfolgt.) Der Antrag ist angenommen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Vizepräs. Dr. Gaster: Das Wort hat nun Herr Dr. Niemiro wer. Ich muß gleich den ersten Herrn Redner darauf aufmerksam machen, sich an die Zehnminuten-Redezeit zu halten. Del. Dr. Niemirower: Geehrter Kongreß! Mit den Schlußausführungen des Herrn Dr. Pasmanik, mit seinen synthetischen Ausführungen waren wir alle einverstanden. Einen einzigen Redner kenne ich, der im ersten Teile seiner Rede dagegen gesprochen hat, das ist der Herr — — Dr. Pasmanik. Herr Dr. Pasmanik hat nur zwei Wege angegeben, die auch wir für die wichtigsten und bedeutendsten halten, die praktische Tätigkeit in Palästina und die innerpolitische Tätigkeit in der Diaspora. Dagegen hat er sich für verpflichtet erachtet, gegen die kulturelle Seite des Zionismus zu sprechen, und hat ebenso die diplomatische Seite auszuschalten gesucht. Wenn man von einem synthetischen Zionismus spricht, so muß man auch die anderen Momente im Auge haben, und ich glaube, . daß er unserem Führer unrecht getan hat, wenn er meinte, es wurde darüber geschwiegen. Denn in der Eröffnungsrede hat unser Präsident, Herr Wolffsöhn, ausdrücklich von drei Punkten gesprochen: Politik, Vorbereitung des Landes und Vorbereitung des Volkes. Diese drei Punkte und die diplomatische Arbeit dazu bilden die politische Seite des Zionismus, des Herzlianischen Zionismus, wenn ich so sagen darf, welche nicht vollständig außer acht gelassen werden kann. (Beifall.) Aber ebenso wichtig wie diese Seite ist auch die kulturelle, denn das ist die wichtigste Vorbereitung des jüdischen Volkes. Es ist nicht richtig, daß die „Kulturisten" sich gedrückt haben, sondern sie wurden tatsächlich an die Wand gedrückt. (Zustimmung.) Indirekt allerdings hat der Kulturzionismus Erfolge aufzuweisen gehabt, wie die Gründung der „Ibriah", der Sinaigesellschaft, dann ganz besonders in der Frage der Bibliothek in Jerusalem, mit dem Gymnasium in Jaffa, aber direkt ist absolut nichts geschehen. Darum hatte Herr Dr. Ehrenpreis auch recht, wenn er das hier hervorgehoben hat. Ich halte es von großer Wichtigkeit, hervorzuheben, daß es nicht angängig ist, daß wir hier im synthetischen Zionismus gerade die politische Seite vollständig außer acht lassen. Herr Dr. Pasmanik aber hat nur von der inner politischen und von der nationalpolitischen Seite gesprochen, hat dagegen die diplomatische Seite, auf die unser Meister Nordau Gewicht gelegt hat, die er als das Ideal uns hingestellt hat, vollständig vernachlässigt, und gerade ich, der ich streng auf praktisch-palästinensischem Standpunkt stehe, halte es für wichtig, daß man dies hier hervorhebt. Wir wollen zwar einig sein, aber einseitig dürfen wir nicht sein. Wenn daher gestern von mehreren Rednern hervorgehoben wurde, daß in den letzten Jahren deswegen weniger geschehen ist, weil im engeren A. C. verschiedenartige Elemente vertreten waren, so muß ich gestehen, ich weiß nicht, wie man sich denn das anders denkt. Es wird auch in Zukunft nicht anders sein und kann nicht anders sein. Es müssen politische Zionisten im A. C. sein, damit sie als das Gewissen dieses A. C. da sind, als Hüter undl Wächter des politischen Zionismus. Es müssen andererseits Förderer und Vertreter des praktischen Zionismus da sein. Wie man darin ein Hindernis sehen kann, begreife ich nicht. Es ist nicht anders denkbar, als daß beide Richtungen vertreten waren. Solange es sich um Männer handelte, die den Palästinensismus vernachlässigten, die nur ein Land und nicht d a s Land suchten, haben wir unsere Pflicht erfüllt und haben auf eine Resolution drängen müssen. Da alle jene nicht mehr in unserem Lager sind, müssen wir alle, die wir auf dem Standpunkt der Palästinaarbeit stehen — ob wir nun das Politische oder das Praktische mehr betonen — vereinigt und verbunden auch weiter wirken. Darum halte ich es für wichtig —