Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 92 (sequence 90)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 92 — in Palästina zu entwickeln. Dazu wird Gelegenheit sein, wenn Professor Warburg mit seinem Vortrag gekommen ist. Ich wollte nur darauf hinweisen, daß der 8. Kongreß insofern wirklich ein Novum ist, daß er uns einmal gezeigt hat, daß mit Imponderabilien allein nichts zu schaffen ist, wenn auch der Träger dieser Imponderabilien eine so große, glänzende, titanische Persönlichkeit ist, wie unser verstorbener Führer Dr. Herzl, und daß wir unser Ziel nur erreichen können durch Aufstapelung materieller Kräfte. Und diese Ansammlung kann nur auf doppeltem Wege geschaffen werden: durch nationalpolitische Tätigkeit in der Diaspora und durch realpolitische Tätigkeit in Palästina. Vereinigen Sie diese beiden Ziele, und der Zionismus wird nicht nur leben, — Herr (Dr. Ehrenpreis, haben Sie nicht Furcht, daß wir jetzt neue Personen haben und nicht mehr die alten! Der Zionismus wird sich entwickeln müssen. Er ist eine historische Lebensnotwendigkeit, weil es sich eben um das jüdisch-soziale Problem handelt. (Lebhafter Bfeifall und Händeklatschen.) Del. Dr. Radin (New York): Geehrter Kongreß! Im Namen der amerikanischen Delegation gestatte ich mir, folgenden Antrag zu stellen: In Anbetracht der wichtigen Geschäfte, die auf diesem Kongresse verhandelt werden müssen, erlauben sich die amerikanischen Delegierten, den Antrag zu stellen, daß die Redezeit in der Generaldebatte auf zehn Minuten beschränkt werde. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Ich will mit gutem Beispiel vorangehen und nur mit einigen Worten mnsern Antrag begründen. Ich kann Ihnen versichern, daß wir mit der größten Aufmerksamkeit den Rednern folgen. Uns interessiert alles, aber spezielle Fragen, welche die galizischen,. rumänischen, russischen oder amerikanischen Juden betreffen, werden wir lesen oder wir werden darüber debattieren, wenn wir mehr Zeit haben. Der Kongreß hat so wichtige Arbeif zu leisten und wir sind nicht hierhergekommen von allen Enden der Welt, um lange Reden zu hören. (Lebhafter Beifall und, Händeklatschen.) Del. Motzkill (Rußland): Meine Damen und Herren! So unangenehm eine Geschäftsordnungsdebatte auch sein mag, so muß ich mich doch gegen diesen Antrag aussprechen. Nach meiner Ansicht wird der Sache damit gar nicht gedient, daß jetzt die Debatte über diese Frage abgebrochen wird. Die Debatte wird wieder heraufschwimmen, glauben Sie mir! Sie werden sie absolut nicht vermeiden, und die langen Reden, welche Sie jetzt hintanhalten, werden Sie nach zwei Tagen wieder haben. Wozu sollen wir die Generaldebatte zerstückeln, die endlich in das richtige Fahrwasser gelangt ist, wo wir endlich die Kernfrage, welche die/zionistische Welt interessiert, einmal angepackt haben? Wozu jetzt beschließen, da abzubrechen und dann wieder zu beginnen? Wenn wir jetzt die allgemeinen ^Leitsätze der zionistischen Politik besprechen, haben wir nachher, wenn wir über die Kolonisation Palästinas sprechen, die Möglichkeit, in größerer Ruhe und in ganz anderer Weise zu sprechen. Sonst werden wir folgendes (erreichen: wir werden jetzt künstlich abbrechen und werden dann bei der Kolonisation Palästinas ganz genau dieselben Fragen wieder ,aufwerfen. Wenn Sie das wollen, habe ich nichts dagegen. Aber beschließen Sie dann von vornherein, daß in irgend einem Momente die allgemeine Aussprache über diese Frage stattfindet. Dieselbe ist die wichtigste im Zionismus. Täuschen wir uns nicht! Niemand von uns wird von diesem Kongreß nach Hause fahren wollen, ohne sich und seinen Wählern über die Frage, die hier in Betracht kommt, Klarheit verschafft zu haben. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Wir sind gar nicht so kompetent, über die praktische Frage zu sprechen, wie Sie glauben, wir sind vielmehr kompetent, über die prinzipielle Frage zu sprechen. Es ist daher die jetzige Unterbrechung der Verhandlung nur in dem Falle annehmbar, wenn wir beschließen: die allgemeine zionistische Politik besprechen wir bei «einem anderen Punkte, das heißt bei der Kolonisation Palästinas. Anders können wir