Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 91 (sequence 89)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
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— 91 — Del. Dr. Pasmanik (zu Dr. Loewe): Sie haben großes Talent zur Musik. Del. Dr. Loewe: Nicht das Publikum hat gezischt, sondern die Delegierten. Vizepräs. Dr. Gaster: Ich habe es bemerkt und dabei bleibt es. Del. Dr. Loewe: Das waren die Delegierten. Del. Dr. Pasmanik: Herr Heinrich Loewe verlangt konstatiert zu sehen, daß er gezischt hat. Del. Dr. Loewe: Ich habe gezischt und werde wieder zischen. Vizepräs. Dr. Gaster: Order, Order! Ich hoffe, daß die Redefreiheit nicht unterbrochen und nicht geschmälert werden wird. Ob der Herr Vorredner in irgend einer Weise den parlamentarischen Usus verletzt sat, werden die Delegierten in ihrer Weise kundgeben. Del. Dr. Pasmanik: Ich anerkenne die ungeheuer schwierige Lage, in der sich unsere Führerschaft seit dem 7. Kongresse befindet. (Widerspruch und Lärm.) Deshalb kritisiere ich auch nicht die Vergangenheit, (Unruhe infolge Verteilung von Publikationen im Saal.) Vizepräs. Dr. Gaster: Ich muß dringend bitten, daß jetzt von der Verteilung von Publikationen Abstand genommen werde und bitte die Ordner, darauf zu sehen. (Rufe: Auf die Plätze I) Jeder Delegierte hat seinen Sitz angewiesen und wird ersucht, diesen Sitz beizubehalten. Ich bitte die Ordner, darauf zu achten, daß die Delegierten ihre Sitze behalten. Herrn Dr. Pasmanik ersuche ich aber jetzt seine Rede fortzusetzen. Del. Dr. Pasmanik: Schaffen Sie mir doch Ruhe, Herr Vorsitzender! Vizepräs. Dr. Gaster: Jawohl! Del. Dr. Pasmanik (nach einer Pause): Ich anerkjenne die Lage, in der die Führerschaft sich nach dem 7. Kongresse befunden hat, aber ich möchte dringend bitten, daß einmal aus dieser schwierigen Lage herausgekommen wird. Wir können uns nicht immer dadurch binden, wir erhalten oft die Antwort — Dr. Nossig hat schon darauf hingewiesen und ich fürchte, der Vorsitzende wird uns auch diesmal damit kommen —: Ihr wollt Tätigkeit, habt ihr uns Geld gegeben? Da muß ich dem Vorsitzenden leider die banal gewordene Behauptung des Dr. Nossig wiederholen: Tätigkeit wird Geld sein! Ist keine Tätigkeit, dann ist auch kein Geld! Wenn Sie zu den Massen kommen werden mit positiven Resultaten, dann ist es sicher, daß Sie Geld bekommen werden. Und zwar wird das Geld Ihnen zufließen, entsprechend der Steigerung der Hoffnung auf Erreichung unseres Zieles innerhalb der Massen. Und je mehr Sie Beweise geben werden für die Realisierung dieser Hoffnung, desto mehr Geld werden Sie ^bekommen. Damit möchte ich schließen. Herr Dr. Marmorek behauptete vor kurz;em, man muß einmal sehen, welche Richtung siegt und für was eigentlich der Kongreß sich entscheiden wird. Ich mache Sie aufmerksam, daß der Zionismus eine so komplizierte Bewegung ist, daß, wie schon hier bemerkt wurde, das Ziel nicht etwa nur auf diesem Wege erreicht werden kann. Es kann gar keine Rede sein von dem Siege dieser oder jener Richtung, sondern es kann nur die Rede sein von der synthetischen Harmonisierung der verschiedenen Machtfaktoren. Es kann nur die Rede sein von dem wirklich harmonischen Zusammenspiele aller Kräfte in der Verwirklichung des Zionismus. Eine Richtung muß jedoch vernichtet werden, das ist die Richtung der Inaktivität, der Indolenz, des nichtdurchdachten Tuns und Handelns. Diese Richtung muß einmal verschwinden! Wir müssen auf diesem Kongreß ein für allemal von der tiefen Ueberzeugung durchdrungen sein, daß wir nur durch die Synthetisierung der verschiedenen Handlungsweisen, der verschiedenen Machtfaktoren wirklich unser Ziel erreichen werden können. Es ist jetzt hier nicht der Platz, um unser realpolitisches Programm.