Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 81 (sequence 79)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 81 — Einwanderung der Juden nach Palästina — denn das Volk hat damals seine Pflicht getan — zu regeln, zu leiten und zu fördern. Statt in Brüssel eine rein philantropische Aktion zu inszenieren, Sammlungen für die Opfer der Pogrome zu veranstalten, wie alle Wohltätigkeitsgesellschaften, und mit einem ganz unbedeutenden Ergebnisse diesen größeren Wohlfahrtsorganisationen nachzuhinken, hätten Sie, immer Ihrer großen politischen Aufgaben bewußt, -alles, was sie damals tun konnten, für das Werk unserer Heimstätte opfern sollen. Sie hätten alle Mittel, die Sie damals sammelten, für die Erleichterung und Vermehrung der Einwanderung in Palästina verwenden sollen. In diesem Augenblicke hätten Sie durch eine zielbewußte und energische Aktion die halbe Judenheit für eine geregelte Palästinaeinwanderung als Antwort auf die russischen Judcnmassakres mitgerissen. Was ich Ihnen am meisten verüble, das ist, daß ein A. C, dessen Majorität aus politischen Zionisten bestand, gerade die politische Seite unserer Bewegung so vernachlässigt hat. Herr Dr. Nordau hat gestern hier erwähnt, daß unsere Organisation vielleicht noch einmal eine Diplomatenkonferenz in Sachen des Zionismus erleben werde. Meine geehrten Gesinnungsgenossen! Eine solche Diplomatenkonferenz wird von einer Organisation, wie die unsere es ist, nicht erlebt, sie wird erarbeitet. (Beifall.) Bei dieser Gelegenheit hat unser verehrter Herr Dr. Nordau im Interesse seiner Schutzbefohlenen die Theorie entwickelt, daß das A. C. ruhig dasitzen muß, bis es gewissermaßen vom Volke mit Schekeln so weit aufgefüttert wrirde, daß die Regierungen mit verbindlichem Lächeln selbst an uns herantreten. Heute, meint unser verehrter Herr Dr. Nordau, wollen sich die Regierungen mit uns nicht befassen, denn unsere Bewegung wäre noch ein Imponderabile und die Regierungen kümmern sich nur um solche Organisationen, die etwas sind, die etwas haben und infolgedessen etwas können. Herr Dr. Nordau möge mir verzeihen: ich bin da etwas anderer Ansicht als er. Ich meine, wir sind heute schon etwas. Ich glaube auch, wir haben schon etwas, aber woran es bei uns gefehlt hat, das war, allerdings in einem anderen Sinne, das Können, das war das savoir faire. Es war gestern hier von der Friedenskonferenz die Rede. Wissen Sie, wer diese Friedenskonferenz zustande gebracht hat? Das war die Organisation der Pazifisten. Die Pazifisten sind noch viel weniger und haben noch viel weniger als wir, aber sie haben ihre Arbeit .verstanden. WTissen Sie, wie sie es gemacht haben? Sie haben zuerst in jedem Lande einige einflußreiche Publizisten für ihre Sache gewonnen. Sie haben dann durch Vermittlung der Presse und durch persönliche Bemühungen in jedem Lande eine Reihe von Parlamentsmitgliedern gewonnen und haben es zustande gebracht, daß diese Parlamentsmitglieder eine interparlamentarische Konferenz veranstalteten. Das war der Weg, auf dem die Regierungen schließlich zur Aktion veranlaßt wurden. Aber von allen derartigen Bemühungen habe ich leider bei uns in diesen letzten zwei Jahren keine Spur gesehen. Dagegen war unsere Leitung eifrig bemüht, alle Anregungen, die von anderer Seite zu einer regeren Aktion kamen, zu vereiteln. In dieser Hinsicht hat sie allerdings eine stramme Tätigkeit entwickelt. Sie haben gestern hier von sehen des Herrn Dr. Ehrenpreis gehört, eine wie wichtige Aufgabe für unsere Bewegung es wäre, die zionistische Propaganda im Orient, im Bereiche der spaniolischen Judenheit, zu,..entfalten. Vergebens hat sich die Propagandakommission zwei Jahre hindurch die Mühe gegeben, unsere Leitung dazu zu bewegen, in dieser Beziehung eine Propaganda einzuleiten. Auch betreffs einer anderen Anregung war das Resultat gleich Null. Die . Propagandakommission und eine in Hannover gewählte Zeitungskommission hat das Projekt einer Tageszeitung, eines Repräsentativorgans und Pröpagandaorgans für den Zionismus ausgearbeitet. Unsere Leitung hat uns selbst .ihre moralische Unterstützung dafür versagt. Sie hat es