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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1907-01-01 · 8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907 · p. Seite 66

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907
Date
1907-01-01
Page
Seite 66 (sequence 64)
Language
German, English, Hebrew
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— 66 — Vizepräs. Dr. Tschlenow: Ich bitte die volle Redefreiheit zu wahren, jeder Redner kann aussprechen, was er sagen will und ich bitte nicht zu unterbrechen. Del. Dr. Ehrenpreis: Ich stelle also fest,, daß der zweite Grund des Erschlaffens des Zusammenhanges in unserer Mitte die im großen Maße betriebene innerpolitische Betätigung der letzten zwei Jahre nicht nur in Galizien gewesen ist. Als dritten Punkt möchte ich die vollständige Vernachlässigung der Agitation und der Propaganda hervorheben. Sie wissen, meine Herren, daß 'sich vor zwei Jahren der Kongreß für eine Agitationspropaganda eingesetzt hat. Er hat dafür ein Budget von 12000 Frcs. jährlich votiert. Sie werden hier wahrscheinlich Gelegenheit haben, zu hören, daß von der Summe von 24000 Mark, die in den letzten zwei Jahren votiert wurde, kaum 1500 Mark ausgezahlt wurden. (Rufe: Hört! Hört!) Es unterliegt keinem Zweifel, daß die unter so großen Hoffnungen eingesetzte Propaganda-Kommission ihre Tätigkeit nicht entfalten konnte. Dies ist nicht ein Vorwurf für das A. C. Denn es konnte nur aus Mangel an Mitteln seine Pflicht nicht erfüllen. Aber ich mache diesen Vorwurf uns allen, die wir das A. C. nicht in die Lage setzten, die Beschlüsse des Kongresses, zu verwirklichen. Wir müssen uns schließlich lächerlich machen, wenn wir Beschlüsse fassen, für deren Durchführung wir selbst nicht sorgen. Es wird heute für die Propaganda und die Agitation gar nichts getan. Ich will Sie nur auf ein großes Gebiet verweisen, welches vollständig vernachlässigt wurde seit dem Bestände der zionistischen Aktion, das ist das Gebiet der spaniolisch redenden Juden im ganzen Orient. Es existieren über eine Million Juden, die spaniolisch reden. Sie leben teils zusammengedrängt in großen Zentren, teils zerstreut. Sie haben weiter 50000 Juden in Marokko und eine halbe Million im ottomanischen Reiche. Was geschah in 'den letzten zehn Jahren, um diesen wichtigen Teil des jüdischen Volkes mit uns in Zusammenhang zu bringen und für den großen Gedanken der nationalen Befreiung zu gewinnen? Gar nichts! Die spaniolisch-jüdische Bevölkerung im ganzen Orient weiß nicht, was der Zionismus ist, was er will und welche Kraft und Ausdehnung ler in den letzten Jahren gewonnen hat. Es existieren keinerlei ernste instruierende Bücher oder Broschüren in spaniolischer Sprache, wodurch wir überhaujDt in Kontakt mit den spaniolischen Juden treten können. Es existiert keine Zeitung in spaniolischer Sprache, welche diesen Namen verdient, welche mit Ernst und Würde den zionistischen Gedanken unter den spaniolischen Juden verbreitet. Und dabei lag dieses Agitationsgebiet gerade sehr nahe und wir hätten unsere besondere Aufmerksamkeit dieser Gruppe der Juden zuwenden müssen aus zwei Gründen: Erstens, weil im. Laufe der jüdischen Entwicklung in Sprache und Ritus eine Lücke zwischen , den aschkenasischen und sephardischen Juden entstand', indem die letzteren den Zusammenhang mit der gesamten Judenschaft verloren, ebenso wie wir mit ihnen. Eine nationale Bewegung wie der Zionismus mußte sich als erste Sorge angelegen sein lassen, diese losgerissenen Glieder unseres Organismus wieder mit unserem Gesamtkörper zu vereinigen. Das lag nicht nur im zionistischen Parteiinteresse, sondern in dem tieferen jüdischen Nationalinteresse. Das sind 11/2 Million Juden, die wir verloren haben und wiedergewinnen müssen. Und zweitens bitte ich zu bedenken, daß eigentlich die spaniolisch redenden Juden schon mit 50 Prozent für . uns vorbereitet sind. Sie sind ja national empfindende, mit tausend Fäden an die Tradition gebundene Juden. Wir hätten bloß die Hand auszustrecken gebraucht, damit sie Arm in Arm mit uns für die nationale Eiv lösung arbeiten. (Lebhafter Beifall und: Händeklatschen.) So will ich denn diesen Mahnruf an den Kongreß richten, man möge, diesen Punkt von jetzt ab nicht vernachlässigen. Wenden wir uns der

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