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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1907-01-01 · 8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907 · p. Seite 65

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907
Date
1907-01-01
Page
Seite 65 (sequence 63)
Language
German, English, Hebrew
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— 65 — © eigenen Mitte. Es sind auch andere Momente hinzugekommen, die in den letzten zwei Jahren ein Nachlassen des Zusammenhanges in unserer Mitte bewirkt haben. Ich will einen Punkt erwähnen, in dem ich mich vielleicht nicht in Uebereinstimmung mit einem großen Teile der Kongreßmitglieder befinde. Ich meine die innerpolitische Tätigkeit. Sie haben ans dem Munde des Herrn Dr. Leon Reich gehört, mit welcher glänzenden, begeisternden politischen Tätigkeit die galizischen Juden an den Reichsratswahlen teilgenommen haben. Ich bin als geborener Galizianer gewiß stolz darauf. Wir haben den Beweis erbracht, daß wir an politischer Reife dem Judentum der ganzen Welt vorangegangen sind. Wir haben den ersten jüdischen parlamentarischen Klub aus der Mitte der Juden geschaffen. Aber bei aller Wertschätzimg, die wir heute und von dieser Seite sowohl den Arbeitern als dem ganzen galizischen Volke für diese heldenhafte Haltung ausdrücken müssen, kann ich doch als sachlicher Beobachter der Dinge nicht leugnen, daß diese politische Tätigkeit ein bedeutendes Nachlassen der reinzionistischen Arbeit (Rufe: Im Gegenteil!) — ich werde es gleich motivieren — (Riife: Das hat andere Gründe!) notwendig zur Folge haben mußte. Es liegt in der Natur der parlamentarischen Arbeit, daß sie die ganze Kraft der Nation absorbiert, von der zionistischen Arbeit ablenken muß. (Widerspruch.) Vizepräs. Dr. Tschlenow: Ich bitte den Redner nicht zu unterbrechen. Del. Dr. Ehrenpreis: Es ist vom verehrten Präsidenten in der Eröffnungsrede gesagt worden, daß die Frage der inneren politischen Betätigung eine so delikate und den glänzen Zionismus interessierende ist, daß wir hier uns damit befassen müssen. Ich habe gleich gesagt, daß ich in dieser Beziehung mich im Gegensatz zu einem großen Teil der Delegierten befinde, das' kann mich aber nicht hindern, meine Meinung hier frei zum Ausdruck zu bringen. (Sehr richtig!). Ich stehe auf dem Standpunkte, zu dem ich auf Grund einer eingehenden Beobachtung der galizischen Verhältnisse gekommen bin; vielleicht kann ich die Verhältnisse ruhiger beobachten als die Herren, die mitten im Gefechte stehen.. . (Dr. Rimalowski: Reden Sie etwas über Bulgarien!) Herr Dr. Rimalowski, Sie haben nicht das Wort. Sie werden auch schlecht fahren, wenn Sie hier bulgarische Sitten einführen wollen . . . Vizepräs. Dr. Tschlenow: Ich bitte die Debatte nicht zu stören. DeL Dr. Ehrenpreis: Es ist meine feste Ueberzeugung, daß die innerpolitische Betätigung, wie sie in Galizien zutage getreten ist, obwohl sie zweifelsohne eine enorme moralische Bedeutung hat und haben wird, vom parteizionistischen Standpunkte schädlich, abträglich gewesen ist. Erstens, weil sie einen großen Teil bedeutender Kräfte auf ein anderes Gebiet gedrängt hat. (Rufe: Das ist unrichtig!) Das ist Ihre Ansicht. (Dr. S c h a 1 i t: Sie haben offenbar eine telephonische Verbindung zwischen Galizien und Sofia, daß Sie alles so gut wissen. — Vizepräs. Dr. Tschlenow gibt das Zeichen.) . . . Zweitens aus einem anderen Grunde, der von prinzipieller Bedeutung ist. Die innerpolitische Betätigung schafft dem Zionismus erbitterte und heftige Gegner, die er ohne diese Betätigung nicht hat und nicht haben würde. Das ist ein sehr wichtiger Punkt, den wir uns vor Augen halten und dabei fragen müssen, ob der Preis, den wir dafür bezahlen, im Verhältnisse steht zu der Leistung. (Widerspruch und Zwischenrufe). Ich rede nicht von Galizien, sondern stelle dies als allgemeines Prinzip auf. Das gilt auch für Rußland und andere Länder. (Unruhe. — Vizepräs. Dr. Tschlenow gibt das Zeichen.) Solange der Zionismus auf eigenem Gebiete »und eigener Platform bleibt, hat er wenige Gegner. Wenn er aber anfängt, Hans Dampf in allen Gassen zu werden, dann schafft er sich Gegner in allen Lagern. (Zwischenrufe und Unruhe.)

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