Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 64 (sequence 62)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 64 — gangenheil des jüdischen Volkes herausbilden sollen, so müssen wir eben der Juden der Zukunft und der Juden der Gegenwart gedenken, der Kinder in späterer Zeit, unserer Brüder der Gegenwart. Die Zukunft und die Gegenwart auf Grundlage der Vergangenheit bildet ein Ganzes, und wenn wir dieses Ganze umfassen, so sind wir heute Zionisten und wir können für den Zionismus wirken. (Lebhafter Beifall.) Vizepräs. Dr. Tschlenow: Das Wort hat Herr Dr. Ehrenpreis. Del. Dr. Ehrenpreis (beginnt seine Rede in hebräischer Sprache und fährt dann folgendermaßen fort): Der Bericht des A. C., den wir soeben aus dem Munde des Herrn Sokolow gehört haben, bestätigt im großen und ganzen den Eindruck, der sich in letzter Zeit immer tiefer festgesetzt hat, daß unsere Bewegung in den zwei Jahren nicht diejenigen Fortschritte gemacht hat, die die Optimisten unter uns und die Gläubigen erwartet haben. Gewiß hat der Zionismus durch die Tatsache, daß er die schweren Krisen persönlicher und sachlicher Natur ohne inneren Schaden ertragen hat, einen überzeugenden Beweis seiner Lebensfähigkeit erstattet. Das hat er durch die Tatsache seines Fortbestandes und dadurch, daß er nicht erschüttert wurde, bewiesen. Aber er hat nicht das Maß positiver Schöpfungen aufzuweisen, die ein Anwachsen seiner Kräfte dokumentieren können. Und wenn wir .nach der Hauptursache dieser Erscheinung fragen, brauchen wir nur einen /Blick auf die Zusammensetzung dieses Kongresses zu werfen. Derjenige, der mit uns am i. Kongreß vor zehn Jahren teilgenommen hat, wird sagen, daß wir im jetzigen Kongreß neue Männer haben und daß von denjenigen, die vor zehn Jahren da waren, vielleicht nicht der vierte Teil unter uns weilt. Was bedeutet das? , Daß das Hauptelement unserer Bewegung ein fluktuierendes, aber kein beständiges ist; ferner, daß die Grundlage unserer Organisation noch nicht in die Tiefen der jüdischen Seele gedrungen ist, um uns dauernde Anhänger zu schaffen, sondern daß der Zusammenhang noch immer ein rein parteilicher und darum loser ist. Die zionistische Organisation, ich muß dies hier mit tiefem Bedauern aussprechen, hat vom ersten Beginne ihres Bestehens der nationalen Arbeit nicht das nötige Verständnis und Interesse entgegengebracht, um uns nicht nur Parteizionisten, sondern auch überzeugte Juden zu schaffen. Es genügt nicht, daß einer Mitglied der Organisation ist, daß er den Schekel zahlt, daß er an der Vereinstätigkeit teilnimmt und zum Kongreß kommt. Darum haben wir auf jedem Kongreß neue Männer und einen Abgang der alten, v/eil der. Zusammenhang bisher kein organischer gewesen ist. Dieser kann nur erfolgen auf geistigem Wege. Unter gebührender Berücksichtigung der geistigen Aufgaben wäre es möglich gewesen^ Anhänger zu schaffen, die bis zum letzten Augenblicke ohne Rücksicht auf die Wandlungen der politischen Tätigkeit treu zu uns gehalten hätten. Der Zionismus soll nicht ein Zusammenhang von Menschen sein, die einer Partei angehören und auf eine Geschäftsordnung der Partei zurückblicken, sondern er muß die Pioniere vorstellen, die auf eine 3000jährige Kultur zurückblicken. Man hat aber von Anbeginn mit einem Mangel an Wohlwollen in den leitenden Kreisen unserer Organisation die geistige Aufgabe des Zionismus, die unter dem Namen „Kultur4' einen unangenehmen Beigeschmack bekommen hat, behandelt. Man hat sie teils bewußt, teils unbewußt vernachlässigt und in die Ecke gedrängt. Sie wissen, daß die letzten zwei Kongresse entgegen allen früheren prinzipiellen Kundgebungen, entgegen allen Beschlüssen früherer Kongresse, den ganzen Komplex geistiger Arbeit des Zionismus aus der Tagesordnung ausgeschieden haben, ohne daß sich eine Hand dagegen erhoben hätte; t wir haben dies protestlos hingenommen, aber damit hat man nicht die Kulturzionisten in die Ecke gedrängt, sondern es rächt sich das durch den Stillstand des Anwachsens und die Lauheit des Zusammenhanges in der