Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 54 (sequence 52)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 54 — den letzten zwei Jahren sind die neuen Filialen und die segenbringenden Sparkassen und Darlehnsgenossenschaften gegründet worden. Im allgemeinen haben sich unsere Beziehungen und Zusammenhänge mit Palästina vermehrt und vertieft. Die jüdischen Palästinareisen waren nie so häufig und die Eindrücke nie so erhebend wie im Laufe der letzten zwei Jahre. Die Reisen des Präsidenten des A. C, Herrn David Wolffsohn, des Vizepräsidenten der Jüdischen Kolonialbarik, Herrn Jacobus Kann, haben viel Licht in die Fragen praktischer Arbeit hineingetragen. Noch andere Mitglieder . des großen A. C. haben Palästina besucht und haben die besten Eindrücke von dort mitgebracht. Die Feier des 25 jährigen Bestehens der schönen Kolonie „Rischon Lezijon" war für uns alle ein wahres nationales Fest. Es sind keine Renommierdörfer und keine Denkmäler der Philantropie, mit denen wichtigtuerisch geprahlt wird. Unsere Brüder stehen dort mit beiden Füßen fest auf dem Boden der Väter. Sie sind keine politischen Abenteurer; sie sind loyale, arbeitsame Kulturträger, die für die jüdischen Energien, die leider überall und oftmals fruchtlos vergeudet werden, ein Gebiet erschlossen haben und sich nützlich betätigen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) VIII. Die Lage des Zionismus in den verschiedenen Ländern. In Rußland hat der Zionismus als Organisation, besonders am Anfang der letzten zweijährigen Periode, stark gelitten. Die grauenvollen Massakres, die schrecklichen Verwüstungen, die Panik und dann die Spannungen, Konflikte und die Inanspruchnahme aller Kräfte und Gedanken für die politischen Kämpfe, für die Wahlen und Platformen haben dort alle Probleme und Bemühungen, die nicht mit der Politik im Zusammenhange stehen, förmlich weggeschwemmt. Alles erlahmte und verstummte, sofern es sich nicht in den Dienst des augenblicklich Impulsiven gestellt hatte. Unter den mächtigsten Völkergruppen konnten sich die bestorganisierten und am reichlichsten ausgestatteten sozialen, literarischen oder wissenschaftlichen Organisationen nicht dem Gewirre des Tages fernhalten. Alles wurde mit in den Strudel gezogen. In diesem Ringen und Kämpfen, Gären und Klären konnte sich keine einzige Volksgruppe vor dem politischen Marktgewühl verschanzen. Unter der Schreckensgewalt der Pogrome, in Todesqual sich windend, durch die inneren f£ämpfe zerklüftet und zerfetzt, rafften sich unsere Brüder in Rußland zu einer neuen Organisation auf. Die Konferenz in Helsingfors hat in Wilna ein Zentral-Komitee eingesetzt und dieses Komitee hat eine energische Agitation zur Neubelebung der Ortsgruppen entwickelt. Eine große Propaganda durch eine eigene Presse und durch tüchtige Rednertalente wurde mit Erfolg betrieben. Der Zionismus ging in Rußland mehr in die Tiefe und in die Breite als anderswo; Er konnte nicht von den Kämpfen des Tages unberührt bleiben. Seine Einflußsphäre dehnte sich weit, manchmal auch zu weit aus. Doch ist es im letzten Jahre gelungen, auch der Organisation dort