Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 55 (sequence 53)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3476254-3476270--2630-3478770- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 55 — wieder ihre frühere starke Grundlage zu schaffen. Wir haben jetzt viel weniger Kongreß-Delegierte aus Rußland, aber wenn wir die äußerst anormalen Verhältnisse in Betracht ziehen, so gelangen wir zu dem Schluß, daß der Zionismus in Rußland verhältnismäßig jetzt stärker als je ist. In Oesterreich konnte man auch eine Schwenkung nach der Richtung der inneren, nationalen Politik wahrnehmen. Die Wahlreform brachte in diesem Lande mit einem Schlag die Frage der nationalen Rechte der österreichischen Juden auf die Tagesordnung. In richtiger Würdigung des Standpunktes, daß die zionistische Organisation als solche sich mit innerpolitischen Fragen "nicht befassen darf, beschloß der Zionistentag in Krakau, eine neue jüdische Partei für die Wiahlen zu schaffen. Wir freuen uns, daß der este Jüdische Klub im österreichischen Reichsrate begründet worden ist. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Das Erwachen der Massen hat gezeigt, wie tief der nationale Gedanke im Volke wurzelt. Vier unserer hervorragenden Gesinnungsgenossen wurden als Nationaljuden in den Reichsrat gewählt. Wir wollen hier nicht einen zionistisch-organisatorischen Maßstab an dieses Ereignis legen. Es ist eine nicht nur sehr ernste, sondern auch sehr komplizierte Frage, die mit der größten Vorsicht behandelt werden will. Wir in der Organisation haben mit uns selbst sehr vorsichtig zu Rate zu gehen, bevor wir uns gestaltend oder anordnend auf ein Gebiet begeben, auf dem in erster Linie die Landsmannschaft zu tun hat. Daß in der Diaspora das Judentum organisiert werden soll — dieser Standpunkt ist absolut, doch wird Tdie Ausführung durch die Schwierigkeiten in der etnographischen Zusammensetzung der Länder und den verschiedensten Kulturstufen und Möglichkeiten erschwert. Die zionistische Organisation kann damit nicht identifiziert werden. Aber wir freuen uns über die Fortschritte des Zusammengehörigkeitsgefühls und der volkstümlichen Gesinnung, die unter unseren Brüdern in Oesterreich zum Ausdruck gekommen ist. Mittelbar war dies auch für den Zionismus eine riesige Propaganda. (Lebhafter Beifall.) Die agitatorische Arbeit, die Distrikts- und Schekeltage, die zahlreichen Versammlungen, die Anteilnahme der österreichischen zionistischen Organisation an der Protestbewegung gegen die Pogrome, die Beteiligung derselben bei den Kultuswahlen, die jüdisch-akademischen Verbindungen der „Haschachar" u. dgi. bieten ein Bild bewegten Lebens und Treibens. In Ungarn hat eine Neuorganisation stattgefunden, die schon recht gute Resultate zeitigte und noch bessere erwarten läßt. Es bestehen dort spezielle Schwierigkeiten, die die Verbreitung des Zionismus verhindern. Den Statuten der Zionistischen Landesorganisation wird noch immer die Genehmigung seitens der Regierung, infolge eines Mißverständnisses, verweigert. Doch bricht sich der Zionismus Bahn und findet eine immer größere Ausbreitung. In Kroatien-Slavonien entwickeln unsere Gesinnungsgenossen erst seit kurzer Zeit eine rege Tätigkeit. In Deutschland kann die Entwicklung der zionistischen Organisation