Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 25 (sequence 23)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
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— 25 — möglich, sich als abgesondertes, stammesreines Volk zu behaupten, wenn man als scheel angesehene Minderheit inmitten einer mindestens unsympathischen, kalten, wenn nicht aggressiv feindseligen Mehrheit lebt. Wofür erhalten wir uns aber als besonderes Volk in der Zerstreuung? Für welche Zukunft? Für welche Geschicke? Was ist der Endzweck, zu dem wir unsere Eigenart pflegen, die von der unserer Umgebung absticht? Was hoffen, was erwarten wir, daß wir alle Widerwärtigkeiten, alle Nachteile einer schmerzlichen Ausnahmestellung geduldig ertragen? Ist es für die nationale Wiedergeburt, dann rüsten wir uns zu ihr auf die einzig mögliche Weise, durch den Zionismus. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Erwarten und hoffen wir aber keine nationale Wiedergeburt, dann ist es lediglich stumpfe Gedankenlosigkeit, dann ist es reine Unfähigkeit, den eigenen Standpunkt zu begreifen,, wem* man unter den größten Opfern und mit den schwersten Leiden ziel- und zwecklos in einer Sonderexistenz verharrt, die keinen Sinn mehr hat. Also: Zionismus oder nationale Liquidation. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Alles andere ist Halbheit und beunruhigt die Logik. Vergebens reden Tiftler Haarspaltereien amd Spitzfindigkeiten um diese unerschütterliche Schlußfolgerung herum. Sie drängt sich dem schlichten Menschenverstände der selbstdenkenden Juden auf und bestimmt häufig ihr Handeln. Wer an die Daseinsberechtigung des jüdischen Volkes glaubt, wer ihm eine Zukunft wünscht, der wird Zionist. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Wer diesen Wunsch, wer diesen Glauben nicht hat, der fällt ab. Und das würde noch viel häufiger geschehen, wenn der Abfall vom Judentum, um vollgültig zu sein, nicht vom formellen Uebertritt zu einem andern Glauben begleitet sein müßte, zu dem anständige Juden sich denn doch nicht leichten Herzens entschließen. (Heiterkeit. — Sehr gut!) Seit zehn Jahren rufen wir diese Wahrheiten in alle Winde. In großen Seelen haben sie mächtigen Widerhall geweckt; die Menge aber hat sie noch nicht hören oder noch nicht verstehen wollen. Denn wir wollen uns und anderen nichts vormachen. Wir organisierten Zionisten sind leider immer noch eine betrübend kleine Minderheit im jüdischen Volke. Wir lassen uns