Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 24 (sequence 22)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 24 — Zusammenhang zu bringen, den einen als Gegenwirkung des andern zu begreifen, ist überraschend oberflächlich. Der Antisemitismus war höchstens ein Anlaß, er war sicher nicht der Grund des Zionismus. Der Judenhaß hat nur in vielen Juden das eingeschlummerte Stammesbewußtsein geweckt und sie ermahnt, sich auf ihre geschichtliche Individualität zu besinnen. Er hat sie genötigt, über ihre Stellung in der Welt, über: ihr Verhältnis zu den anderen Völkern, über ihre Aussichten als Einzelmenschen und als Gesamtheit, nachzudenken, und dieses Nachdenken, nicht die Ungerechtigkeit der Judenfeinde, hat sie zu überzeugten, ruhig entschlossenen Zionisten gemacht. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Der Zionismus ist wie jede geschichtliche Bewegung aus einem stark empfundenen und klar erkannten Bedürfnis hervorgegangen, aus dem Bedürfnis nach einem normalen Dasein unter natürlichen Bedingungen. Er ist die eiserne Schlußfolgerung der jüdischen Logik, dieses Grundvermögens der jüdischen Psyche. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Denkende Juden lassen sich nicht darauf ein, sich selbst zu täuschen; sie sind gegen sich von der unerbittlichsten Aufrichtigkeit. Wir sind empfindlich, wenn man uns in unserem Geburtslande Fremde schilt. Es ist ja auch in der Tat eine Bosheit, 'uns als fremd auf der Scholle anzusehen, auf der unsere Wiege stand und unter der die Gebeine unserer Väter ruhen. (Anhaltender, lebhafter Beifall.) Aber wenn man mit Unrecht unsere Zugehörigkeit zum Boden, zum Lande, zum Staate leugnen will, müssen wir es doch andererseits verstehen, daß die Menschen, unsere Landsleute, uns als Fremde empfinden, da wir es beharrlich ablehnen, uns in ihnen aufzulösen. Da richtet sich ein Entweder- Oder vor uns auf, vor dem es kein Entrinnen gibt. Entweder wir wollen ein Volk bleiben, oder wir wollen kein Volk bleiben. Wollen wir kein Volk bleiben, dann gehen wir, so rasch wie es die demographischen Verhältnisse irgend gestatten, in unserer Volksumgebung auf. (Anhaltender, lebhafter Beifall.) Wollen wir aber ein Volk bleiben, wie unsere beharrlich gewahrte Sonderstellung beweist, dann müssen wir auch die nötige Anstrengung zur Ermöglichung eines Volksdaseins machen. (Stürmischer Beifall.) Auf die Dauer aber ist es un-