Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 6)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 8 — Die momentane Notstandsaktion nahm auch uns in Anspruch. Das Programm ist bekannt: Aufrufe, Spenden, Petitionen und Proteste. Der redliche Fleiß und die großartige Opferfreudigkeit, die alle jüdischen Organisationen bei dieser schauervollen Gelegenheit an den Tag legten, können nicht genug gerühmt werden. Wir haben auf diesem Gebiete außerdem noch einen kleinen Versuch gemacht, der leider fehlgeschlagen ist. Die gewaltige Flut der Auswanderung, die einen noch nie dagewesenen Höhepunkt erreichte, das unsägliche Elend unserer umherirrenden und umhergetriebenen Volksmassen, mit denen sich verschiedene Hilfsgesellschaften, jedoch ohne einheitliche Methode befassen, veranlaß ten uns, eine Reform, in dieser Beziehung anzuregen, um diese Arbeit auf eine breitere Basis zu stellen. Das war der Zweck der von uns im Januar 1906 in Brüssel einberufenen Konferenz,. Es ist natürlich, daß wir eine Vereinigung jüdischer Kräfte suchten, ist doch von unserem Standpunkt jede jüdische Einigung ein nationaler Wert, der dem zionistischen Empfinden nahe stehen muß. Der Versuch scheiterte jedoch an der ablehnenden Haltung der meisten Hilfsgesellschaften. ^Selbstverständlich sind wir Zionisten nicht die letzten, wo immer es sich um Hilfeleistung handelt, — und im Goluth kann man nur mit Goluthmitteln helfen. — Aber am Ende müssen wir uns doch sagen: Flickwerk ist es, das nur den dringendsten augenblicklichen Bedürfnissen genügt, Kurpfuscherei, die die nebensächlichen Symptome der Krankheit kuriert, anstatt den Sitz derselben zu bekämpfen. Man braucht, um dies greifbar vor sich zu sehen, nur die Aufwallung und das schnelle Ermüden der leider so oft abgehetzten Philanthropie zu beobachten. Die ersten Schreckensnachrichten rütteln die öffentliche Meinung auf, kaum ist aber die erste Aufregung vorüber, so bleibt alles beim alten, und ratlos steht die Philanthropie, von der Sisyphusarbeit ermattet. Auf dem größten Schauplatz des Goluth, in den jüdischen Massenzentren Osteuropas, sind die Gräber kaum verschüttet, und wer kann sagen, daß sich nicht unter den Füßen der Lebenden ein neuer, speiender Krater öffnen wird? Uebrigens handelt es sich doch nicht nur um eine bestimmte Volksgruppe und um eine bestimmte Zeitperiode, es handelt sich doch um unsere Ge-