Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 5)
- Language
- German, English, Hebrew
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den Kräfte und Talente die Freiheit aus der Seele des jüdischen Volkes herauszuzaubern vermag. Es wurde ihnen nicht nur die zur Existenz nötige Ruhe gegönnt, sondern auch die Möglichkeit gegeben, als schaffende Bahnbrecher und Pioniere auf vielen Gebieten erfolgreich zu wirken. Unter holländischer Flagge segelten sie auch nach anderen Ländern^ um neue Zufluchtsstätten für unser Volk zu finden. Es ist dies ein Band rührender Erinnerungen, das sich um dieses Land und die Juden schlingt. Und noch eine Gedankenverbindung drängt sich uns auf. Werden doch hier in dieser schönen Stadt, wo wir uns eben befinden, Anstrengungen gemacht, die zivilisierten Völker einander näher zu bringen,, um den Weltfrieden zu fördern. In einem Lande mit solchen Traditionen in der Vergangenheit und mit einer solchen Sendung in der Gegenwart glauben wir mit Recht auf einen Widerhall unserer Bestrebungen hoffen zu dürfen. (Anhaltender Beifall.) Geehrter Kongreß! Zwei Jahre sind seit dem siebenten Kongreß verflossen, und tiefe Spuren haben sie in unserer Leidensgeschichte hinterlassen. Greuel sind an unserm Volke begangen worden, deren Erinnerung das Blut in den Adern erstarren macht, und vor denen die Menschheit beschämt ihr Haupt verhüllen dürfte. Das Jahr 1905 überholte an Gewalttaten manches mittelalterliche Schreckensjahr. Wer würde es unternehmen, der Jeremias der neuen Ruinen und der neuen Gräber zu sein? Wer könnte die Unmasse zählen, die Namenlosen nennen und all die Greuelszenen der Selbstwehr schildern, wo junges, hoffnungsvolles jüdisches Blut in einem heroischen, aber unmöglichen Ringen dahinsank? Wir müssen (die Versammlung erhebt sich), die wir hier sind, zu den verklärten Gestalten unserer Brüder und Schwestern, die mit ihrem Tode das Martyrium des Goluth besiegelten, ehrfurchtsvoll aufschauen .... Aber nicht durch Klagen und Seufzen, und nicht durch Ausbrüche ohnmächtiger Wut, sondern durch eine unermüdliche Arbeit an unserer Erlösung werden wir ihr Andenken ehren. Natürlich waren auch wir bemüht, die Leiden zu lindern.