Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 4)
- Language
- German, English, Hebrew
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- 6 — Mißverstandes. Die Richtschnur unseres Arbeitsprogrammes war die Selbsthilfe. Und siehe, in unaufhaltsam fortschreitender Bewegung vollzog sich die Sammlung unserer Kräfte und die Gründung unserer Institutionen. Seit jener ersten Tagung in Basel 1897 haben sich unsere Kongresse einem mächtig anschwellendem Strome gleich gestaltet. Wir können nicht mehr als Utopisten beiseite geschoben werden. Keinerlei Bannflüche sind imstande, uns aus der Welt zu schaffen. Ja, als wir von dem größten Unglück, das eine junge Organisation treffen konnte/ heimgesucht worden sind, als unser Führer in unvollendeter Tagesarbeit uns durch den Tod entrissen wurde, da glaubten manche, die Bewegung sei tot. Es war aber nur ein Scheintod. Der Kongreß wird es kundtun, daß der Zionismus sich in der Vollkraft des Schaffens befindet. Die Ungeduldigen und Zweifler, die, einer pessimistischen Anschauung huldigend, auf dem vorigen Kongreß „Auf Nimmerwiedersehen" riefen, hatten keinen richtigen Einblick in die unverwüstlichen, volkstümlichen Kräfte unserer Idee. Sind wir doch wieder im Zeichen Zions vereint und versammelt und werden uns immer und immer wieder für unser Ideal vereinigen und versammeln. Von diesen Gefühlen bestärkt und gehoben, haben wrir uns nun zum achten Zionistenkongreß versammelt, und diesmal im Lande des siegreichen menschlichen Kampfes mit der Natur und der mittelalterlichen Tyrannei, im reichgesegneten. Holland. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Fürwahr, uns Juden ist Holland kein unbekanntes Land. Eine versunkene Zeit zieht vor uns herauf. War es ja hier, wo viele unserer Volksgenossen, die vor den Furien der Inquisition geflohen, eine Stätte des Friedens gefunden haben. Anderwärts durch Gewissenszwang gequält und durch brutale Gewalt zu Tode gehetzt, wurden sie hier liebevoll aufgenommen. Hier fielen die letzten Strahlen 'der untergehenden Sonne der spanisch-jüdischen Glanzperiode. Denker, Dichter und Künstler unseres Stammes haben nicht wenig zu dem Ruhmeskranze Hollands beigetragen. In den schönen Gauen der Niederlande, unter der milden Herrschaft des ruhmreichen Hauses Oranien, an der Seite des guten, biederen holländischen Volkes zeigten sie, welche schlummern-