Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 7 (1905) Basel, 27. Juli bis 2. August 1905
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 231 (sequence 229)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 231 — ernst, so ernst, wie es alle nehmen sollten, wie es die Sache verdient. In einem der Briefe des Herrn S. Goldreich, des Präsidenten dieser Föderation, an das A. C. macht sich dieser ausgezeichnete Gesinnungsgenosse über unsere lächerliche Arbeit für die Bank und den Nationalfonds Luft, indem er statistisch nachweist, dass englische Vereine für mehrere, verhältnismässig untergeordnete Zwecke jährlich das Zehn- und Zwanzigfache von dem zusammenbringen, was wir als Volk für unser Volksideal und die Sicherung unserer Zukunft leisten. Wir müssten, fügte er hinzu, uns vor der ganzen Welt, vor der Geschichte und vor uns selbst schämen! Dieser Mann, der also aus übervollem Herzen sprach — hat recht! Er irrt vielleicht nur darin, dass er an uns einen allzu grossen Massstab anlegt. Er vergleicht unsere Arbeit mit den Opfern an Gut und Blut, die andere Völker zu ihrer Erhaltung gebracht haben und tagtäglich vor unseren Augen bringen! Dann freilich sind unsere Arbeiten für den Nationalfonds tatsächlich nur eine Spielerei! Unsere Opfer, die wir dem Nationalfonds bringen, indem wir hin und wieder ein paar Kreuzer spenden, sind gar keine Opfer, da niemand von uns sie auch nur im entferntesten als solche empfindet. So darf's nicht weitergehen! Wir haben feierlichst vor der ganzen Welt unseren Willen geäussert, als ein Volk weiter bestehen zu wollen, und rufen alle Mächtigen dieser Erde an, uns bei unseren legitimen Bestrebungen behilflich zu isein. Wer diese Willensäusserung ernst nimmt, der muss sich bewusst werden, dass wir zu deren Durchführung auch viel Geld brauchen und dieses Geld natürlich selbst herbeischaffen müssen. Können wir das nicht und haben wir die Leute nicht, die ein so Geringes auf dem Altar ihres unglücklichen Volkes zu opfern bereit sind, dann müssen wir zumindest den Mut haben und offen erklären: Wir haben die Fähigkeit nicht, mehr für einander etwas zu tun! (Beifall.) ' Denn, weitere dreieinhalb Jahre so zu arbeiten wTie bisher, um wieder 40 000 Sterl. zusammenzubringen, während tausende unseres Volkes wie eine wehrlose Herde in der Welt hin- und hergetrieben werden, während hunderte täglich erbarmungslos abgeschlachtet werden, das ist ein Zustand, dem wir unmöglich weiter zusehen können, ohne die energischsten Mittel zur Beseitigung desselben zu ergreifen, wenn wir uns nicht der Lächerlichkeit aussetzen, wenn wir uns nicht einer grossen Pflichtvergessenheit schuldig machen wollen. (Lebhafter Beifall.)