Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 7 (1905) Basel, 27. Juli bis 2. August 1905
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 215 (sequence 213)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3476254-3476268--2425-3478564- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
— 215 — führen könnte; das ist, was man Konzessionen nennt. Deshalb meine ich7 dass unsere diplomatische Arbeit jetzt hauptsächlich noch konzentriert werden muss, wo es sich tatsächlich darum handelt, etwas zu erreichen, d. i. in Konstantinopel selbst. Der Nationalfond muss unbedingt ein Jrade erhalten, damit er das Recht hat, Land in Palästina auf eigenen Namen zu bekommen. Die zweite Konzession ist die sogenannte Steuerautonomie, dass nämlich die Juden ihren Zehent selbst als Pauschalabzahlung in Pacht nehmen und nicht unter dem Drucke der türkischen Beamten stehen sollen. Dann kommen verschiedene andere Konzessionen praktischer Art, wo aber die Kommission in Berlin nicht die 'Leitung haben darf. Deshalb geht mein Vorschlag dahin, dass eine dazu geeignete Kommission in Palästina selbst eingerichtet werde. Mag die Kommission in Berlin bleiben, vielleicht für theoretische Forschungen, um Alt-Neuland herauszugeben u. a. Aber wir müssen eine Kommission haben, die in Palästina selbst arbeitet. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Del. Mme. Swenigorodskaja (russisch): Sie beschränkt sich der Kürze der Zeit wegen darauf, an die Kommission einige Fragen zu stellen. Sie hat in dem Bericht der Kommission gelesen, man könne den industriellen Markt Palästinas erweitern, indem man die Nebenländer einbezieht. Aber auf Grund zweijährigen Aufenthaltes in Aegypten und Palästina kann sie versichern, dass die Verhältnisse von den damit betrauten Personen durchaus ungenügend erforscht worden sind. Sie fragt ferner, warum man die 600 Dunam vorzüglichen Landes in der Gegend von Tiberias, die man habe kaufen wollen, sich noch nicht vertraglich gesichert habe, während man sich bereits mit Landkäufen in schwer zugänglichen Gebirgsgegenden beschäftige. Del. Dr. Jacobsolm: Meine Herren! Ich habe das Wort ergriffen nicht etwa, um den Bericht der Palästina-Kommission zu kritisieren — das werden Berufenere tun — sondern bloss, um über einige Punkte nach meinen Kräften eine Klärung zu bringen. Vor allem möchte ich über den Charter ein paar Worte sprechen. Viele, die vor mir sprachen, so z. B. Herr Dr. Pasmanik, haben behauptet, dass auf diesem Kongresse sich eine WTandlung in dem Sinne vollzogen habe, dass wir jetzt eine Kolonisation auch vor Erlangung des Charters befürworten. Ich muss konstatieren, dass das schon früher geschehen ist. Es war der II. Kongress, der folgende Resolution mit grosser Mehrheit angenommen hat (liest): „Unter „zweckdienlicher Besiedelung" Palästinas versteht man die Kolonisation, die nach einer von der türkischen Regierung dazu erlangten Erlaubnis und nach einem Plane und unter Leitung einer vom Kongresse gewählten Kommission durchgeführt werden soll." Sie sehen, meine Herren, hier steht kein Wort vom Charter. Es ist ganz klar: Der Charter ist das Endziel, zu welchem wir streben, und um das zu erreichen, muss eine geregelte Kolonisation vor sich gehen. Noch bezüglich einer anderen Seite möchte ich eine Klärung bringen. Man hat uns vorgeworfen, dass wir keine politischen Zionisten seien. In unserer Freiburger Resolution wird als erste Seite unserer Tätigkeit die politische Arbeit genannt. Die politische Arbeit soll sich nicht darauf beschränken, mit verschiedenen Regierungen zu verhandeln — es muss ja sein, gewiss, aber es muss noch eine andere und vielleicht grössere Arbeit verrichtet werden, die noch nicht verrichtet wurde — sie soll sich darauf richten, die Meinung der aufgeklärten zivilisierten Welt zu gewinnen. Wir sind überzeugt: je mehr sich die demokratische Gesinnung in der Welt verbreiten wird, desto mehr werden wir die Sympathien aller demokratischen Parteien finden, die uns zur Erlangung unseres Zieles helfen werden, denn. Pflicht jeder demokratischen Partei ist es, ein ganzes grosses Volk, das sich selbst helfen will, zu unterstützen. Darum ist es