Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 7 (1905) Basel, 27. Juli bis 2. August 1905
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 176 (sequence 174)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3476254-3476268--2386-3478525- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 176 — haupten, nicht eingehen, sondern nur einen Wunsch äussern: Noch immer fehlt es an einer guten Jugendliteratur. Ich glaube, es gibt keine dankenswertere Aufgabe für unsere Dichter und Schriftsteller, als sich diesem sehr vernachlässigten Zweige mehr zu widmen. Das wird für unsere Propaganda von unermesslicher Bedeutung sein, denn die heutige Jugend, welche unter allen möglichen Einflüssen aufwächst, — wenigstens bei uns im Westen —, nur nicht unter jüdischen, steht unseren Bestrebungen von vornherein fremd und kühl gegenüber. Sie muss so früh wie möglich, wenn nicht mit unseren positiven Zielen, so doch mit den Idealen und der Sehnsucht unseres Volkes, mit unseres Volkes Taten und Leiden bekannt gemacht werden. Ein Zweig der Literatur interessiert uns vom agitatorischen Standpunkte aus ganz besonders: Es gibt keine bessere Propagande, als die durch die Bühne. Es fehlt uns nicht an trefflichen dramatischen Werken, aber, während vom jüdischen Geiste durchwebte Romane wie Altneuland oder die Kinder des Ghetto weite Verbreitung finden, wagt es nur selten einmal ein Theaterdirektor, seinem Publikum ein Stück, wie „Doktor Kohn" oder „Das neue Ghetto" vorzuführen. Eine Einwirkung auf die Theaterleitung in jüdischen Zentren, oder auch die Veranstaltung von Separatvorstellungen dürften empfehlenswert sein. An die Darbietungen, durch welche begabte Dilettanten die Kaffeepausen auszufüllen pflegen, denke ich in diesem.) Zusammenhange eigentlich nicht, aber doch will ich nicht unerwähnt lassen, dass auch solche leichte Ware, wie sie hier gebraucht wird, von unseren Humoristen geliefert wrerden sollte, damit bei Makkabäerfeiern und Purimfesten der jüdische Charakter auch während der Fidelitats gewährt werden kann. - Von den jüdischen Künstlern erwarten wir noch ein Werk, das den Ehrgeiz eines jeden jüdischen Malers erwecken müsste, und das geeignet wäre, Kunde von dem Grossen, das geschaffen, in weite Kreise zu tragen. Es möge uns ein Bild des Kongresses beschert werden, das im Mittelpunkt die Lichtgestalt Theodor H e r z 1 s zeigt, umgeben von allen seinen grossen Mitarbeitern und Freunden. Das wird ein Bild sein, das in unzähligen Reproduktionen verbreitet die Quelle stets sich erneuernder Begeisterung für unsere grosse Idee und jenen Mann sein wird, der sie verkörpert, und der es verstanden hat, so viele illustre und charakteristische Persönlichkeiten aller Weltteile und Weltanschauungen zu dem einen hohen Zwecke zu vereinigen. Und nun die Frage der Presse. Ich glaube, im allgemeinen können wir mit unserer Parteipresse zufrieden sein, wenigstens vom agitatorischen Standpunkte. Sie ist, soweit sie mir bekannt ist, so, dass wir sie jedem in die Hand geben und Ehre