Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 7 (1905) Basel, 27. Juli bis 2. August 1905
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 170 (sequence 168)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 170 — Verse wirklich den Pulsschlag, neu erwachender jüdischer Höhenkunst spüren lasse. Wir sollen also beim Agitieren daran denken, dass unsere Partner hören wollen, was der Kongress will, und nicht unsere persönliche Beichte entgegenzunehmen gedenken. Wir haben uns mehr Selbstzucht aufzuerlegen, auch hier wieder an das Grosse zu denken und das Kleine zurückzustellen. Noch eins ist hier zu sagen: Wir sollen uns hüten, mit Augenblickserfolgen zu operieren. Gewiss gibt es keine bessere Propaganda, als die durch die Tat. Indem wir arbeiten, unsere Leistungsfähigkeit erweisen, überzeugen wir die Zweifler, die uns unpraktische Träumer nennen, auf das bündigste von ihrem Irrtum. Aber wir wollen nicht Leute haben, die sich durch einen gerade erzielten Erfolg verblenden lassen, durch eine gute Dividende, einen schmeichelhaften Empfang und dergleichen; diese Leute werden uns, wie im Wechselspiel der Zeit unsere Aktien fallen, treulos verlassen.. Wenn wir augenblicklich erzielte Erfolge agitatorisch allzu sehr betonen, so ist das eine zweischneidige Waffe. Regelmässig folgt bei zu hoch gespannten Erwartungen, wenn die noch zu erwartenden weiteren Erfolge länger auf sich w7arten lassen, Ernüchterung und Erschlaffung. Und die grösste Gefahr ist die, dass diese Tätigkeit eine Reaktion auf unsere Politik hervorruft, dass die Notwendigkeit, die versprochenen Erfolge herbeizuführen, uns dazu verleitet, auf Augenblickserfolge hinzuarbeiten. Und das wäre die gefährlichste Politik, die wir treiben können; wir dürfen nie und nimmer darauf hinarbeiten, nur dem Volke ein positives Ergebnis zeigen zu können. Wer mit uns ist, muss Geduld: und muss Vertrauen haben. Wenn wir also auch keinesfalls um des agitatorischen Eindruckes willen arbeiten sollen, so bleibt es doch deshalb nicht minder wahr, dass unsere stetige ruhige Arbeit selbst unwillkürlich die beste Propaganda in sich birgt. Wenn ich mich jetzt dazu wende, über die einzelnen Mittel der Propaganda, wie sie uns zu Gebote stehen, zu sprechen, so muss ich darum an erster Stelle eben diese unbeabsichtigte Agitation durch die von uns geleistete Arbeit selbst hervorheben. Je unbekümmerter wir unseren Weg zur Höhe emporschreiten, je weniger wir uns um die unberufenen Warner und Wegweiser kümmern, die. uns durch ihre Zurufe zu verwirren suchen, desto eher werden jene einsehen, dass sie sich verstiegen haben und wir die Zielbewussten sind, desto eher werden sie umkehren und unseren Spuren folgen. Sie werden es bequemer haben als wir, da sie in die Stufen treten können, die wir mühsam mit der Eishacke geschlagen: haben. Es gibt keine bessere Propaganda als un-