Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 7 (1905) Basel, 27. Juli bis 2. August 1905
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 169 (sequence 167)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
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— 169 — Tore zu bewachen; ich fürchte, dass hier schon oft gefehlt worden ist, und dass das Band, das heute noch uns alle umschliesst, sich bei stärkerer Anspannung leicht lockern kann. Nach aussen sind wir eins und müssen als Einheit auftreten; niemand, der als Agitator unserer Idee wirkt, hat das Recht, seine Privatmeinung oder das Programm seiner Partei zu entwickeln, sondern er hat einzig und allein das Programm, zu dessen Durchführung wir uns alle geeint haben, zu erläutern. In erhöhtem Masstabe gilt das von denen, welche öffentlich, als Redner oder Schriftsteller, Propaganda treiben. Sie haben dessen sich in jedem Augenblicke bewusst zu bleiben, dass sie nicht als Privatpersonen, sondern als Delegierte der zionistischen Gesamtheit sprechen, nur den Willen der Gesamtheit zu interpretieren haben. Ich glaube, ausser der Parteileidenschaft und dem natürlichen Hange zur Subjektivität spielt hier noch ein Faktor mit, mit dem wir nie ganz fertig werden können. Es handelt sich nämlich bisweilen nur um eine zu weit getriebene Ehrlichkeit. Ehrlichkeit ist etwas Schönes, aber man soll bekanntlich von ihr keinen zu weitgehenden Gebrauch machen. Selbstverständlich sollen wir, was zur Sache gehört, ehrlich und klar, unbekümmert um den Eindruck, den es machen kann, vorbringen. Was ich meine, ist etwas anderes. Es kann bei uns z. B. noch folgendes vorkommen. In einer grossen Versammlung hält ein Redner eine glänzende- und überzeugende Rede, welche die Hörerschaft orientieren, begeistern und uns näher bringen muss. Nun ist irgendwo in dieser Rede beispielsweise ein Bild gebraucht oder ein Bibelvers angeführt, — nur ganz beiläufig, — oder der Redner hat auch ganz nebenbei ein kritisches Wort über ein nicht eben wichtiges Ereignis gebraucht. Kaum ist der Beifallssturm vorbei, erhebt sich da ein Mitglied der Ortsgruppe und hält eine halbstündige Rede, in der er den Nachweis zu erbringen versucht, dass in jenem Bilde etwas schief sei, dass der Bibelvers anders ausgelegt werden müsse, oder gar nach dem Standpunkt moderner Bibelforschung auszumerzen sei, oder dass es sich mit der bewussten Angelegenheit nicht ganz so wie der Redner gesagt, sondern anders verhalte. Und so bringt dieser gewissenhafte Mann es fertig, nicht nur den Eindruck des Referates zu verwischen, sondern auch wieder eine heillose Begriffsverwirrung herbeizuführen; denn die Debatte dreht sich nun nur noch um diese Kleinigkeiten, und der Besucher, der hinging, um aufgeklärt zu werden, wird mit dem .Eindrucke weggehen, dass die Hauptsache die sei, ob jener Vers im Deutero-Jesajas steht, oder ob die Nationalfondsmarken schlecht gummiert sind, oder ob der Rhythmus jener