Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 7 (1905) Basel, 27. Juli bis 2. August 1905
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 168 (sequence 166)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 168 — haben, links oder rechts anzustossen, Missverständnisse hervorzurufen oder ängstliche Gemüter einzuschüchtern. Wir reden nicht für Kinder und Schwachsinnige, sondern für reife Menschen mit eigener Urteilskraft und normalem Mute. Auf" die anderen werden wir verzichten und ohne grosses Bedauern. Vor allem haben wir in der Agitation uns vor jedem Kompromisse zu hüten. Die Organisation, die wohlgefügte, disziplinierte Einheit kann Verträge eingehen, nicht aber der Agitator, der gerade nur das Neue unserer Idee künden soll, der deutlich zeigen muss, wodurch wir uns von den anderen unterscheiden! Nur so können wir es vermeiden, dass, wie schon seit langem jeder Jude seinen eigenen Schulchan-Aruch besitzt, nun auch jeder Zionist sein eigenes Programm zum häuslichen Gebrauche sich zulegt. (Beifall.) Und damit kommen wir auf einen anderen wichtigen Punkt zu sprechen. Unsere Organisation umfasst Vertreter fast aller im Judentum vorhandenen Richtungen, nämlich aller Strömungen, ausser der der Assimilation; aber das ist weniger eine Strömung als ein stehender Sumpf, und unsere Bewegung hat selbst eine Reihe neuer Strömungen geschaffen. Es haben sich eine ganze Reihe von Fraktionen gebildet, die alle gewisse Sonderinteressen wahrnehmen, und auch alle, die keiner Partei angehören, sympathisieren doch mit der einen oder anderen und haben jedenfalls auch Stellung genommen zu den wichtigsten Fragen. Was ist natürlicher, als dass nun bei der Agitation ein jeder just seine eigene Stellung motiviert und seinen Partner nicht nur zum Zionisten, sondern auch zum Parteigänger innerhalb des Zionismus zu machen sucht! Und doch ist nichts verkehrter als das! Gewiss ist es begreiflich, wenn ein Vertreter des Misrachi sich an orthodoxe Kreise wendet, während die Mitglieder einer radikaldemokratischen Fraktion den Schauplatz ihrer agitatorischen Tätigkeit eher in das Cafe Monopol in Berlin verlegen, aber bei der Agitation nach aussen müssten streng genommen der Misrachist, der Ugandist, der Demokrat oder der Konservative, der Neinsager wie der Jasager, genau dasselbe sagen. Denn unsere Agitatoren haben einzig und allein das Gemeinsame aller Zionisten zu predigen. Gegenstand der Agitation der einzelnen Fraktionen und Richtungen sind erst die bereits für die Organisation Gewonnenen, die bereits in unser Heer Eingereihten. Ich hielte es für ein schweres Unglück für unser Werk, wenn Leute beitreten, nicht aus Liebe zu unserem Programm, zu unserer grossen Idee, sondern nur als Parteigänger einer der im Zionismus existierenden Sonderrichtungen. Gerade in Anbetracht der immer wachsenden Differenzierung haben wir um so sorgsamer unsere