Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 7 (1905) Basel, 27. Juli bis 2. August 1905
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 166 (sequence 164)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 166 — uns dieselben Ziele hat, denn viele Wege führen nach Jerusalem. Wenn wir festgestellt haben, was die Agitation leisten soll, so kommen wir an die weitere nicht minder wichtige Frage, wie gearbeitet werden soll, die Frage nach der Methode. Diese Frage kann nie erschöpfend beantwortet werden, indem man eine Reihe zweckmässiger Einzelvorschläge macht, sondern auch für die Methode müssen sich bestimmte Leitsätze aufstellen lassen. Es giebt eigentlich nur eine einzige Methode, die, durch Ueberzeugung zu wirken, y^it zeigen unsere Voraussetzungen an, entwickeln logisch unsere Folgerungen und berichten von unserer Tätigkeit. Wir haben nur das Material herbeizuschaffen, auf Grund dessen Herr Publikus, der gestrenge Richter, sein Urteil zu sprechen hat. Unsere besten Akquisitionen machen wir an den Leuten, die auf Grund eigener sorgfältiger Prüfung dasselbe Resultat gefunden haben, wie wir. Unsere Sache ist eine Sache strengster Logik und wir dulden nicht nur, .wir fordern von unserem Auditorium eigenes Nachprüfen. Insoweit lässt sich also die Frage nach der Methode leicht genug beantworten. Aber in der Praxis zeigt es sich, dass es gar nicht immer so leicht ist, das rechte Material auszusondern und herbeizuschaffen. Was ist wichtig und was nicht? Eine allzu grosse Fülle von Details, das haben wir schon gesehen, wirkt nur verwirrend, zu wenig ist auch nicht gut! Jetzt kommen nun noch die bösen Geister des Opportunismus, des Partikularismus und noch einige andere kleine Geister und legen uns Fallstricke. So wichtig und zweckmässig es ist, dass z. B, der Redner sich auch nach seinem: Publikum richtet, so gefährlich kann dies Bestreben, seinen Hörern auch alles mundgerecht zu machen, bisweilen werden. Gewiss wird vor einem Auditorium von braven einfachen Spiessern es nicht eben sonderlich zweckmässig sein, den Unterschied zwischen deduktiver und induktiver Anschauungsgewinnung als,, gewichtiges Imponderabile bei der Beurteilung der jüdischen Volkspsyche zur Grundläge eines Ägitationsvortrages zu machen, ebensowenig wie es nötig sein wird, einen Kreisatheistisch gesinnter „Glaubensgenossen4'- darüber zu beruhigen, dass der Zionismus den religiösen Institutionen keine Gefahr bringe. Aber diese Rücksichtnahme darf niemals den Kern der Sache selbst betreffen, sondern eben nur auf die Art der Darstellung einwirken. Nun ist es ja nicht mehr als naturlich, dass etwa ein Gesinnungsgenosse, der irgendwo auf vorgeschobenem Posten schwer mit Vorurteilen und" Rückständigkeiten seiner- Umgebung zu kämpfen hat, allmählich alles vom lokalen Ge-