Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 7 (1905) Basel, 27. Juli bis 2. August 1905
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 163 (sequence 161)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 163 mehr, — docendo discimus, — es gibt keine bessere Methode zu lernen, als indem man lehrt! Ich behaupte, es lässt sich durch eine planvolle Inangriffnahme der Propaganda ein weites und dankbares Tätigkeitsfeld eröffnen und zugleich wird damit das Beste auch für die Vertiefung zionistischer Erkenntnis geleistet. Die beste Gegenwartsarbeit ist die Agitation, ist die Propaganda unserer Idee!! Freilich muss das richtig verstanden werden; wenn wir in der Propaganda wirklich die beste Gegenwartsarbeit sehen, so haben wir dabei nicht die Betätigung als Claqueure in Versammlungen im Auge, nicht die bestmöglichste Lungenanstrengung, die Bravour im Sammeln von Staniol oder Zigarrenspitzen, oder die Neigung, harmlose Passanten zum Zwecke der Schekelerpressung in die Ecke zu klemmen, sondern wir sprechen eben nur von jener Agitation, welche durch Verbreitung von Aufklärung und Kenntnis, durch Ueberzeugung allein zu wirken sucht, die zielbewusste und planvolle Agitation, für die wir die rechte Basis erst gewinnen wollen. Propaganda und Agitation ist zweierlei. Propaganda ist die Theorie, Agitation die praktische Anwendung. Propaganda des Zionismus bedeutet die Ausbreitung der grossen Grundideen, auf welchen der Zionismus basiert, der allgemeinen Anschauungen und Gefühle, aus denen heraus wir zu unseren positiven Ergebnissen gelangt sind. Agitation treiben wir, wenn wir uns bemühen, unsere Machtmittel zu verstärken, wenn wir neue Schekelzahler anwerben, neue Ortsgruppen gründen, Aktien verkaufen oder für den Nationalfonds sammeln. An sich also könnte man das eine wie das .andere allein treiben. Man könnte sich damit begnügen, nur der grossen nationaljüdischen Idee zur Anerkennung verhelfen zu wollen, oder etwa die Renaissance jüdischer Kultur und Kunst zu künden, man könnte aber auch seinen Ehrgeiz nur darin suchen, möglichst viele Schekelquittungen auszustellen oder Oelbäume zu verkaufen. Ich glaube nun, dass wir vor allem uns dahin verständigen müssen, das wir das eine ohne das andere verwerfen. Wohl werden wir uns freuen, wenn unsere grossen Ideale allmählich von immer weiteren Kreisen erfasst werden, auch solchen, die sich von unserer Arbeit noch fernhalten, nur habe ich im allgemeinen gegen die sogenannten moralischen Erfolge ein gewisses Misstrauen, und wenn ich lese, „der moralische Erfolg war ungeheuer," scheint es mir gar nicht geheuer, denn gewöhnlich ist das der euphemistische Ausdruck für einen Reinfall. Vor allem aber haben wTir uns gegen die gegenteilige Praxis zu verwahren, dagegen zu protestieren, dass durch eine lediglich auf die Erlangung von Beitrittserklärungen und Geld-