Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 7 (1905) Basel, 27. Juli bis 2. August 1905
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 162 (sequence 160)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 162 — Arbeit. Immer aufs Ganze sehen, nie den Ueberblick verlieren. Und da das so verzweifelt schwer für jeden ist, der lange in der Bewegung steht und nach' Neigung und Individualität sich fortdauernd mit irgend einer Spezialität befasst, muss der Kongress, muss die Parteileitung einen Plan, eine unzweideutige Weisung erlassen, um endlich die Agitation von dem Zufall, von der persönlichen Neigung und Begabung einzelner unabhängig zu machen, sie zu einer einheitlichen, zielbewussten und planvollen zu gestalten. Es ist beinahe unverständlich, dass bislang nach dieser Richtung noch so gut wie gar nichts geschehen ist. — Ist doch Kongress für Kongress betont worden, dass es sich um eines der wichtigsten Dinge für uns handele, um eine Lebensfrage unserer Bewegung, und ist doch schon auf dem ersten Kongress sogar die Forderung eines solchen Agitationsplanes aufgestellt worden. Von der Agitation hängt es ab, welchen Umfang unsere Organisation noch gewinnen wird, weiter aber auch, welche Elemente zu uns stossen, von wem künftig die Machtmittel, die wir geschaffen haben, benutzt werden können. Eine planlose, eifrige Werbearbeit kann vielleicht quantitativ eine Stärkung der Partei bringen, aber nur eine, nach vom Kongress selbst anerkannten Grundsätzen planvoll und systematisch arbeitende Propaganda kann uns die Sicherheit bieten, dass für ewige Zeiten diese Tribüne, die wir errichtet, nicht von solchen in Beschlag genommen werde, welche ihrer nicht würdig sind, dass unser Kongress tund unsere Organisation das bleiben, was sie sind, die Vertretung des jüdischen Volkes, das sein Volkstum und seine Kraft erkannt hat und bereit ist, für seine Existenz, für seine Zukunft und für sein Land zu arbeiten und zu kämpfen. * ' Und noch eins möchte ich hier hervorheben. Wir haben viel Zeit auf unseren Kongressen der Frage gewidmet: Welche Gegenwartsarbeit dürfen wir treiben? Unsere jungen neugeworbenen Freunde bestürmen uns in nicht zu bändigendem Arbeitsdrange :• Gebt uns zu tun, schafft uns ein Feld der Betätigung! Wir haben diese Frage, was wir jenen löblichen Stürmern zur Antwort geben sollen, oft und vielfach erwogen, und kaum ein Punkt sonst in unserer Tagesordnung pflegt so viel Differenzen und erregte Debatten zu zeitigen. Der Weisheit letzter Schluss war stets: Vertieft euch in das zionistische Problem! Vergrössert eure Kenntnis des Judentums! Aber das ist etwas Selbstverständliches, die natürliche Pflicht des Zionisten, und über Selbstverständlichkeiten braucht man nicht zu reden. Die jungen Leute wollen etwas anderes, sie wollen ihr neu erworbenes Wissen' auch praktisch verwerten. Noch