Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 7 (1905) Basel, 27. Juli bis 2. August 1905
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 161 (sequence 159)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 161 — welchen -ismus? Ich denke, ihr wollt Afrika? Muss ich meine Villa im Grunewald schon kündigen? Erlaubt das die Polizei? Wozu das alles, wenn doch der Aufnahme von Juden in Unteroffizierschulen in Preussen gesetzlich nichts im Wege steht? Und was dergleichen hübsche Fragen mehr sind! Und ehe wir uns, halbbetäubt durch diese Fülle von Unverstand, erholt haben, stürmt der Ungeduldige weiter, im Hetztempo des Zeitalters des Verkehrs, zum Cafe oder zur Börse oder zum Münster. Was war jener Heide doch ein lieber Mensch! Hillel hatte es leichter, als ein heutiger Agitator des Judentums! Aber wir müssen jenen unverständigen Fragern etwas zugute halten. Seit dem ersten Auftauchen der zionistischen Idee ist eine ungeheure Fülle von neuen Begriffen und Schlagworten, neuen Bestrebungen, Fragen und Debatten, neuen Parteien und Kampfobjekten, ist eine solche Fülle von Literatur und Makulatur entstanden, dass es wohl jemand, der bislang unbefangen, in diesem Wirrwarr sich orientieren will, von alledem so dumm werden kann, als ob ihm zehntausend Mühlräder im Kopfe herumgingen. Und nun gibt es noch eine Menge guter Freunde, welche sich redlich bemühen, die Verwirrung zu vergrössern, das Oberste zu unterst zu kehren, das Grosse unter tausend kleinen Dingen zu verstecken, und was dergleichen erfreuliche Tätigkeit mehr ist. Und auch viele, denen es ernst um die Sache zu tun ist, unsere eigenen Parteigänger und Agitatoren selbst, begehen auf Schritt und Tritt Fehler, ebnen neuen Missverständnissen die Bahn und schaffen neue Verwirrung. Und keinem von ihnen ist ein Vorwurf zu machen, denn in der Agitation: marschieren wir leider noch immer nicht nach gemeinsamer Marschorder, sondern jeder muss sich einzeln seinen Weg suchen und so, wie er es .vermag, durchschlagen. Da haben wir unseren wunderbaren zionistischen Bau, ein Schloss für alle unsere Volksideale, aufgeführt, und jeder, der recht vor ihn gestellt wird, so dass er ihn in seinem Gesamtbilde zu überblicken vermag, muss von der Harmonie und Schönheit des Ganzen, von der Zweckmässigkeit aller Bestandteile, überzeugt sein. Aber natürlich hat jeder von uns, der Künstler wie der Gelehrte, der Arbeiter, der Rabbiner, sein Lieblingsplätzchen in diesem Palast, seine Stube, in der er besonders gern weilt und arbeitet. Und viele kennen allmählich nur noch den einen Weg zu ihrem Sessel, die Einlass heischenden Freunde aber führen sie nun durch Seitentüren, durch winklige Korridore und dunkle Wendeltreppen dorthin, statt sie über die breite Freitreppe hinaufzugeleiten, ihnen den Plan des Ganzen zu erklären und dann ihnen den Weg zu ihrem Flügel zu weisen. Ich Halte das für das Wesentliche bei unserer werbenden