Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 7 (1905) Basel, 27. Juli bis 2. August 1905
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 151 (sequence 149)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3476254-3476268--2361-3478500- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 151 — noch näher angeht, als ein Vertrag mit der englischen Regierung, der älter und ehrwürdiger ist als jeder Traktat des Völkerrechts und der auch von "dem Herrscher der Türkei mit Ehrfurcht betrachtet werden muss".' Iis ist dies der Bund, den Gott selbst mit Abraham geschlossen hat, indem er seinen Nachkommen das ganze Land vom Strome Aegyptens bis zum Strome Euphrat zum ewigen Besitztum zugeschworen hat. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Nachdem wir Punkt i und 4 der Mittel des Baseler Programms zur Durchführung der zionistischen Politik betrachtet haben, bleibt noch die Würdigung der beiden andern Punkte übrig. Was die Frage der Stärkung des jüdischen Selbstgefühls und Volksbewusstseins betrifft, so seien mir nur einige allgemeine Bemerkungen gestattet. Ein Eingehen auf diese Sache würde die ganze Kulturfrage aufrollen, deren Erörterung auf diesem Kongresse gewiss untunlich wäre. (Zuruf: Sehr richtig.) Die Frage, um die es sich hier handelt, kann, meines Erachtens mit Erfolg nur von den einzelnen Landesorganisationen gelöst werden. Die Mittel zur Hebung des jüdischen Volksbewusstseins und das Bedürfnis hierfür ist in Russland oder Galizien ein ganz anderes, als in den ^Ländern des Westens. Die Schaffung von Vereinen für diese Zwecke kann auch unter Umständen die innere Politik der betreffenden Länder berühren, währenddem der Zionismus die grösste Vorsicht wahren muss, auch sich vor dem Schein einer Einmischung in die Politik einzelner Länder zu hüten. Besonders gilt dies von den Bestrebungen, die sich gegenwärtig in Russland geltend machen, den Juden eine politische Vertretung in dem neu zu bildenden Parlamente zu schaffen. Es steht nichts im Wege, dass die russischen Zionisten sich über eine von ihnen dieserhalb zu befolgenden Richtschnur der Politik vereinigen. Es wäre aber verhängnisvoll, wenn der Kongress oder das grosse A. C. es zulassen würde, diese, das jüdische Gesamtinteresse zweifellos aufs tiefste berührenden Fragen in seiner Mitte zu verhandeln. Es mag uns genügen, zu wissen, dass der zionistische Gedanke auch in dieser Hinsicht nicht unfruchtbar geblieben ist. Die in allen Teilen Russlands erstandenen Organisationen zur Selbstverteidigung zeigen der Welt, dass der Zionsgedanke in den jüdischen Massen Russlands das Bewusstsein für ihre Ehre erweckt und ihnen die Waffen einer mannhaften Selbstwehr in die Hand gedrückt hat. Dasselbe kann man leider von dem Westen Europas nicht behaupten. Vielmehr haben alle die energischen Bemühungen zur Erweckung jüdischen Selbstbewusstseins in den von senilem Marasmus ergriffenen