Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 7 (1905) Basel, 27. Juli bis 2. August 1905
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 150 (sequence 148)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3476254-3476268--2360-3478499- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
— 150 — sichtspunkt. Da unsere politischen Bestrebungen nur auf Palästina gerichtet sind, so fallen alle die Befürchtungen^ welche gegen die Infiltration in Palästina sprechen, hinweg^ sofern es sich um die Nachbarländer Palästinas handelt. Die wirtschaftliche und soziale Entwicklung der einheimischen Bevölkerung dieser Länder kann nur zu unserem Vorteil gereichen, da dieselbe dasjenige Gebiet darstellt, in welchem der jüdische Gewerbefleiss der Zukunft sich den Absatzmarkt für seine Industrieprodukte schaffen muss und welches andererseits die landwirtschaftlichen Erzeugnisse für eine jüdische Industriebevölkerung Palästinas hervorbringen kann. Hier muss die Infiltration einsetzen, da sie hier, durch Hebung des allgemeinen Wohlstandes, der Sache der jüdischen Freiheit nur dienen kann. Diese Pioniere jüdischer Kultur im türkischen Orient sind aber auch^das geeignete Material für die Neuorganisation des jüdischen Volkes in Palästina. Nicht von den Chalukaleuten Jerusalems, die durch das System ihrer Bettelei die Mauern der heiligen Stadt verächtlich machen, wird die lebendige Kraft des Judentums ausströmen, und leider auch nicht von den auf Wohltätigkeit gegründeten Kolonien eines edlen jüdischen Philantropen, sondern von Menschen, welche aus eigener Kraft unter Benutzung der allgemeinen Einrichtungen der zionistischen Bewegung sich eine Existenz am Rande Palästinas schaffen werden. Auf gesunder Grundlage bietet gerade Nordsyrien und Mesopotamien, wie Herr Professor W a r b u r g überzeugend dartut, eine Kolonisationsmöglichkeit für Hunderttausende unserer Stammes genossen. Die Schaffung dieser neuen Wohnsitze können wir aber unbeschadet unserer politischen Bestrebungen Hand in Hand mit den grossen Kolonisationsgesellschaften unternehmen, für welche ein jüdisches Immigrationsgebiet eine ebenso grosse Notwendigkeit bildet, wie für uns das jüdische Land. Unter den Mitteln zur Erlangung des zionistischen Zieles Halte ich die Beschränkung auf die Nachbarländer im engsten Sinn für ein absolutes Erfordernis einer vorsichtigen Politik. Wir haben heute keinen grossen jüdischen Staatsmann mehr, zu dessen geläuterter Gesinnungstreue das jüdische Volk ein unbedingtes Vertrauen hat und jeder Schritt vom Wege könnte am Ziele vorbeiführen. Mit Theodor Herzl an der Spitze würde ich auch den Umweg über das Huasso Ngishu-Plateau nach Palästina nicht gescheut haben, ohne ihn wäre mir dieser diplomatische Weg viel zu weit und zu gefährlich. Für die Nachbarländer Palästinas als Interessensphäre des jüdischen Volkes kann man sich aber, sofern Syrien und Mesepotamien in Betracht kommen, auf einen Traktat berufen, der uns >