Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 7 (1905) Basel, 27. Juli bis 2. August 1905
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 149 (sequence 147)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 149 — europäischen Mächte im Schneckengang des orientalischen Fatalismus die Vorteile bürgerlicher Freiheiten zu ersitzen, die wir auch heute schon in den Ländern Westeuropas gemessen. Aber auch dies nur, wofern uns nicht der erwachende Fanatismus der mohammedanischen Ueberzahl einen Strich durch die Rechnung macht. Vergessen Sie nicht, dass die Entwicklung eines jüdischen Dorfes in Palästina diejenige von zehn Fellachendörfern in seiner Umgebung nach sich zieht, und dass die Arbeit jüdischer Intelligenz und Gewerbfleisses eine Vermehrung der mohammedanischen Bevölkerung zur Folge haben wird, welche durch eine grössere jüdische Einwanderung immer noch gesteigert würde. Darum muss für unsere Palästinapolitik der allgemeine Grundsatz aufgestellt werden, keinen Mann und keinen Groschen in dieses Land, ehe uns das Minimum von Privilegien gewährleistet ist, ohne welches eine ungehinderte Entwicklung der jüdischen Grosskolonisation nicht denkbar wäre. Selbstverständlich lässt dieser allgemeine Grundsatz Einschränkungeii und Ausnahmen zu, welche seine Gültigkeit in keiner Weise beeinträchtigen. Diese Einschränkungen sind territorialer und sachlicher Natur. In sachlicher Beziehung fällt nicht unter diesen Grundsatz alles dasjenige, was in den Rahmen der Vorbereitung einer Massen- oder Schnellkolonisation gehört. Würden wir die hierfür erforderlichen Schritte nicht unternehmen, so kämen wir in den Ruf idealistischer Schwärmer, mit denen sich überhaupt keine praktische Politik durchführen lässt. Dass diese Auffassung unserer Politik bereits geschadet hat, ergibt sich aus der Aeusserung eines leitenden europäischen Staatsmannes, der ausserdem allerdings von dem Irrtum ausging, dass Palästina keine genügenden Entwicklungsmöglichkeiten gewähre, um industriell oder landwirtschaftlich produktive Elemente anzulocken. Darum steht in der ersten Reihe dieser Tätigkeitsgebiete die Erforschung der geographischen, geologischen, landwirtschaftlichen und industriellen Entwicklungssmöglichkeiten; Sammlung von Vorschlägen für Ausbeutung der Mineralschätze des Landes, Ausarbeitung von Entwürfen, für Stauwerke und Entwässerungskanäle und Bildung eines, auserwählten Stabes von Ingenieuren und Technikern, landwirtschaftlichen Lehrern und Verwaltungsbeamten. Sodann wäre aber auch mit Nutzen zu betreiben die Erwerbung von Konzessionen für Bergbau und Hafenbauten, Aufforstung von Oedländereien und Einflussnahme auf Handel, Industrie und Kreditwirtschaft. Bank, Palästinakommission und Nationalfondverwaltung müssen sich zu diesem Zweck die Hände reichen. Die territoriale Ausnahme gründet sich auf folgenden Ge-