Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 7 (1905) Basel, 27. Juli bis 2. August 1905
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 148 (sequence 146)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 148 — Wir betrachten demnach diesen ersten Satz des Baseler Programms als den unerschütterlichen Felsen, auf den wir die Politik und Organisation der Bewegung aufbauen können. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Auch die vom ersten Kongress aufgestellte Politik erscheint mir nur in unwesentlichen Einzelheiten einer Ergänzung zu bedürfen. Hierbei muss mit staatsmännischer Klugheit verfahren werden und hat die stürmische Begeisterung des Herzens vor der Türe der kalten Vernunft Halt zu machen. In der Politik eines Volkes liegen tausend Entwicklungsmöglichkeiten, jeder Fehltritt kann zu Konflikten führen, die Bruchstücke einer verfehlten Politik lassen sich aber leider nur mit Menschenblut zusammenkitten. Darum ist die Verantwortlichkeit eines Führers des Volkes ausserordentlich gross, und keiner hat dies so lebhaft empfunden, wie unser grosser Füher. Wir müssen mit bedächtiger Vorsicht die Strasse ebnen, welche die Zukunft des jüdischen Volkes sichert. Unsere Politik muss die Möglichkeit einer friedlichen und freundschaftlichen Lösung der in Betracht kommenden Fragen unter allen Umständen zulassen. Darum " zögerte auch Dr. Herzl bei der zweckmässigen Besiedlung Palästinas die Politik der Chowewe Zion zu verfolgen, da er in derselben Gefahren erblickte, die wir kaum andeutungsweise zu erörtern wagen. Solange wir die Auswanderung nicht nach Palästina lenken, verhandeln wir mit der türkischen Regierung wie ein Aussenstehender, von Macht zu Macht. Sind wir erst im Lande engagiert, mehr noch durch Menschen als durch Arbeit oder Kapital, so haben wir uns mit einem Teile unserer Kraft in die Machtsphäre des andern begeben, noch ehe wir das notwendige Minimum der Lebensbedingungen für jene Menschen dauernd gesichert haben. Warum sollte man eine Veranlassung haben, nach dem Prinzip von do ut des uns öffentliche Rechte zu gewähren, wenn man Kapital und Arbeitskraft des jüdischen Volkes auf dem Wege der Infiltration ohne Gegenleistung erhalten kann. Bei jeder energischen Aktion, die auf die Erlangung der öffentlichen Rechte gerichtet ist, werden wir fühlen, dass unsere Hände nicht mehr frei sind, falls wir bei der türkischen Regierung unfreundlichen Gesinnungen begegnen. Aber auch die türkische Regierung wird die Infiltration nicht als eine erwünschte Stärkung der eigenen Macht betrachten, da keine Veranlassung vorliegt, dass die einwandernden Juden die türkische Staatsuntertänigkeit erwerben, solange sie nicht Privilegien besitzen, welche sie. gegen die Uebergriffe der türkischen Verwaltungstechnik schützen. Die Infiltration wird uns überdies höchstens die Möglichkeit gewähren, von dem Wohlwollen der türkischen Regierung unter dem Druck der