Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 7 (1905) Basel, 27. Juli bis 2. August 1905
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 145 (sequence 143)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 145 — die ich später erörtern werde, eine praktische Kolonisationspolitik-in Palästina als gefährlich erachtete, ergab sich die Notwendigkeit, Anstalten zu treffen, um den gegenwärtigen Notstand der Juden in einzelnen Ländern auf ein geringeres Mass der Leiden zurückzuführen. Die Verschiedenheit der Erfordernisse hierfür in den, einzelnen Ländern ist jedoch so gross, dass eine einheitliche Behandlung dieser Gegenstände sich als untunlich erwies und die Besprechung derselben auf dem Kongress lediglich den Erfolg haben konnte, nützliche Anregungen zu geben. In die Kategorie dieser gehört das Wort von der Eroberung der jüdischen Gemeinden, die Gründung von Sparkassen, Turnvereinen, akademischen Verbindungen und die Anteilnahme an ölen Bestrebungen zur Regelung der Auswanderung aus den Ländern, in welchen die Not der jüdischen Bevölkerung einen unerträglichen Grad erreicht hatte. So schien die ganze Gegenwartspolitik der Zionisten sich in Einzelbestrebungen oft kleinlicher Art zu zersplittern, als Dr. Herzl mit dem Plan einer ostafrikanischen Ansiedlung einen Zug der Grösse in dieselbe brachte. Denn hauptsächlich von dem Gesichtspunkt der Gegenwartspolitik wollte Herzl diesen Plan betrachtet wissen, dessen Bedeutung und Wert mehr noch von den Anhängern als von den Gegnern desselben missverstanden worden ist. Herzl wollte ein autonomes Gebiet für die Juden aus zwei Gründen, erstens, um einer grösseren Zahl auswandernder Juden ein Gebiet zu gewähren, dass sie als einen ruhenden Pol in der Judenflucht vergangener Zeiten betrachten könnten, und in zweiter Linie, um einen politischen Sammelpunkt zu schaffen, von dem aus die Erlangung des Charters für Palästina mit grösserem Nachdruck betrieben werden könnte. Hiernach hat erst die Politik des grünen Tisches, haben erst Politiker der Theorie den Gedanken eines Judenstaates an Stelle Palästinas geschaffen. Diese Missverständnisse und der Streit um dieselben drängten Herzl immer mehr auf das Gebiet der praktischen Kolonisationstätigkeit auch ohne den Charter, um keinen Zweifel über sein Festhalten an Palästina als Endziel der zionistischen Bewegung zu gestatten. In dem immer gewaltiger aufbrausenden Sturm der Parteiungen über diese Fragen hat uns unser grosser Führer verlassen und wir stehen vor der folgenschweren Frage, zu entscheiden, ob das auf dem ersten Kongress aufgestellte Programm auch in der Folge massgebend sein soll für die zionistische Politik, oder ob dasselbe im Sinne unserer Bewegung einer Erweiterung oder einer Aenderung bedarf. Den ersten. Satz des Baseler Programms: „Der Zionismus erstrebt die Schaffung einer öffentlich rechtlich gesicherten