Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 7 (1905) Basel, 27. Juli bis 2. August 1905
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 122 (sequence 120)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 122 — hunderts, Bismarck, hatte gesagt: Es kommt nicht darauf an, ob eine Politik gut oder schlecht ist, eines nur muss sie sein: konsequent. Sie haben auf dem vorigen Kongress zur prinzipiellen Frage Stellung genommen, und damit die Ostafrika-Frage entschieden. Sie haben damals entschieden unter Herzls Leitung, dass die Annahme im Prinzip keine Verletzung des. Basler Programms sei und haben damit zugleich den Weg gezeigt, auf dem wir zur praktischen Politik kommen wollen. Wenn Sie heute diesen Weg verlassen, dann treiben Sie die schlechteste Politik, die es gibt, die Politik der Inkonsequenz. (Beifall.) Wir brauchen dieses Ostafrika-Projekt unbedingt notwendig, schon um in der Welt ernst genommen zu werden, um nicht wieder als die alten Don Quixotes zu gelten, die hinter einem öden Traum herjagen in stiller Verzweiflung und mit der Hoffnung: einst, einst werden wir wohl das Ziel erreichen. Das wird nicht kommen auf dem Wege, auf dem Sie geführt werden, nicht auf dem Wege, von dem Ihre Führer sagen, dass hier das Ziel zu erreichen ist. Wohin kommen wir einst, wenn Sie den Herren folgen? Die Helden von Charkow mussten Ihnen doch zeigen, welches der Weg ist, den sie einzuschlagen gedenken. Und heute haben wir es gehört — selbst wenn wir eine gewisse Broschüre nicht als massgebend erklären wollen — was diese Helden von Charkow von euch wollen: den alten Chowew Zion. Meine Herren! Sie haben gehört, dass Tschlenow sich stolz dazu bekannt hat, dass er Chowew-Zion war und geblieben ist. Sie haben heute von ihm gehört, dass der Zionismus nichts anderes ist, als ein neuer Weg zum alten Chowewe-Zionismus. Damit haben Sie bewiesen, dass Sie für H e r z 1 tatsächlich nicht das Verständnis haben, das er vorausgesetzt hat, das Verständnis dafür, dass er uns zu einem grossen, politisch konsequent denkenden Stamme machen wollte. Richtig die Ideen durchführen, auf die H e r z 1 uns gewiesen hat, das muss nach wie vor unsere Aufgabe sein. Davon dürfen Sie nicht abgehen. Es ist aber inkonsequent und Sie treiben die allerschlechteste Politik, wenn Sie auf dem VI. Kongress sagten: Wir sind prinzipiell dafür, dass unserem Volke ein Asyl geboten wird, und auf dem VII. Kongress aber prinzipiell dagegen sind. Heute sind wir zwar in der Minorität, ich erkläre aber, dass nicht bloss in Russland, in England, nein auch in Deutschland eine grosse Gruppe politischer Zionisten (Rufe: Gross nicht!) sich gebildet hat, die ebenfalls auf dem Programm stehen, weiches die Gruppe .Mandelstamm verfochten hat. (Grosse Unruhe.) Wir dürfen niemals vergessen, dass diese heutige Minorität künftig vielleicht, ja sicher, auch hier die Majorität sein wird. Und was haben wir dann? Dann wird der Beschluss des VII. Kongresses durch einen Beschluss des VIII. Kongresses wieder aufgehoben und wir müssen zum Beschlüsse des VI. Kongresses zurückkehren. In den Augen der Welt wird diese Schaukel- Politik, die aber von Ihnen inauguriert worden ist, uns nur lächerlich machen, und sie wird uns nicht eine derartige Position verschaffen, dass die Welt weiter mit uns verhandeln wird. Die Welt wird vielmehr sagen: Ihr wisst nicht, was ihr wollt! Warum geht ihr nicht auf dem Wege weiter, den euer genialer, von uns anerkannter Führer euch gewiesen hat? Wir brauchen nicht besser zu sein, als H e r z 1, nicht klüger, als dieser Politiker, wir wollen ihm folgen, wir wollen beweisen, dass wir die politische Kraft durch die 8 Jahre lange Erziehung durch Herzl bekommen haben, ihm mit Verständnis auf seinem Wege folgen können. Sie wollen aber dieses Verständnis nicht haben. Sie gehen wieder als alte Träumer und Nachtwandler zum Chowewe-Zionismus. Und weshalb ist das so gekommen? Der damaligen Leitung ist der Vorwurf dafür zu machen, sie ist zum Teile daran schuld. Nachdem der Kongress einmal die Kommission auszuschicken be-