Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 7 (1905) Basel, 27. Juli bis 2. August 1905
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 123 (sequence 121)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 123 — schlössen hatte, war es die verdammte Pflicht und Schuldigkeit der Leitung, nicht zu warten, bis ein Christ uns einige braune Lappen zuwarf, um die Expedition ausrüsten zu können. Wir mussten unter allen Umständen selbst die Mittel aufbringen, damit wir den Beschluss des Kongresses ausführen konnten. Aber das haben Sie gerade zum Teile verhindert, und daher rührt die Verwirrung, in der wir uns heute befinden. Wäre damals der Beschluss ordnungsmässig sobald wie möglich ausgeführt worden, so wäre gewiss auch dafür Geld dagewesen, wie für viele andere Sachen. Hätte man die Expedition bald ausgerüstet, hätte England gesehen, dass es uns ernst war, dass wir uns nicht einschüchtern Hessen durch die Revolutionäre aus unserer eigenen Mitte, dann stünden wir heute anders da. Heute noch sind Sie verpflichtet, diesen Beschluss des Kongresses, der noch vorliegt und der nicht ordnungsmässig ausgeführt worden ist, auszuführen. Heute noch müssen Sie die Mittel hierzu aufbringen, ob Sie wollen oder nicht. Sie müssen auch heute noch gestehen, der Ostafrika-Beschluss ist nicht ordnungsmässig ausgeführt worden. Es ist zwar eine Kommission ausgesandt worden, aber nicht so, wie sie gedacht war. Sie war auch viel zu kurze Zeit dort, um' nachzuforschen, wie erwartet wurde und ein ordnungsgemässes Referat zu erstatten. (Beifall.) Das haben Sie versäumt. Dieser Meinung sind viele, und vor allen Dingen Mr. Z a n g w i 11, der uns heute bereits mitgeteilt hat, dass die englische Regierung sehr wohl bereit wäre, uns ein anderes Stück anzubieten, das geeignet wäre, die Auswanderer unter unseren Brüdern aufzunehmen. Sie sind auf Grund einer konsequenten Politik unbedingt verpflichtet, die Mittel, die auf Grund des VI. Kongresses bewilligt worden sind, dafür aufzubringen, diese Politik dadurch fortzusetzen, dass Sie nicht mit der englischen Regierung abbrechen. Wenn Sie das tun, wenn Sie heute oder morgen einen Beschluss fassen, der prinzipiell von dem Beschlüsse des VI. Kongresses abweicht, dann wird die englische Regierung sagen: Wir wollen künftig mit euch nichts mehr zu tun haben, dann wird die englische Regierung sagen: Bleibt die alten Träumer, die ihr gewesen seid, haltet eure Kongresse ab und behelligt uns nicht mit Resolutionen, auf die wir nichts geben können. Für uns, das erkläre ich namens meiner politischen Freunde, ist nur eine Resolution annehmbar, welche, konsequent die H e r z 1 sehe Politik befolgend, die jetzt auch Z a n g w i 11 wieder vorschlägt, beinhaltet, dass wir nach wie vor mit England in Unterhandlung bleiben und versuchen sollen, von England das zu erreichen, was unser hochverehrter Präsident am vorigen Kongresse das Nachtasyl genannt hat, das Asyl, das unserem armen Volke endlich momentan etwas Ruhe geben soll, und das, wenn wir es annehmen, niemals ein Verstoss gegen das Basler Programm ist. (Lebhafter Beifall. — Widerspruch.) Del. Aberson spricht (russisch), wiederholt von lebhaftem Beifall und-Widerspruch unterbrochen, gegen das Projekt. Nach, 2 Jahren des Streites liegt der Kommissionsbericht der Ostafrika-Expedition vor uns. Wir müssen jetzt eine prinzipielle Antwort in bezug auf Ugandismus und Territorialismus geben. Der Ugandismus wurde durch Herrn Z an g will dargestellt. Eis wurde immer hervorgehoben, dass er ein Mittel sei, um nach Zion zu gelangen. Er ist aber ein Mittel, das zum Antizionismus geht. Man hat uns auch gesagt, dass wir uns nicht die Sympathie der Maranozionisten verscherzen mögen. Das ist kein Grund, denn sie sympathisieren mit uns, weil sie nicht wollen, dass wir ihre Schmach aufdecken. Charakteristisch ist es für den Ugandismus, dass er, um sich durchzusetzen, nicht so sehr hervorhebt, was an Ostafrika gut ist, sondern das, was schwierig ist bei der Erlangung Palästinas. Wir haben es auch an vielen Ugandisten gesehen, wie ihre Evolution zum Antizionismus führt. Die Ugandisten sind hauptsächlich Rationalisten, sind Anhänger der mechanistischen Auffassung. Aber die Geschichte entwickelt sich nicht rationalistisch. Stimmen Sie gegen Uganda und für Palästina. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.)