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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1905-01-01 · 7 (1905) Basel, 27. Juli bis 2. August 1905 · p. Seite 118

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
7 (1905) Basel, 27. Juli bis 2. August 1905
Date
1905-01-01
Page
Seite 118 (sequence 116)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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— 118 — lehnen jede Verantwortung ab für das Verbrechen, das hier in einigen Stunden begangen werden wird. (Lebhafter Beifall.) Wir geben zu, die Arbeit ist eine schwere, eine riesenhafte, aber weil sie so ist, muss man sie schnell machen und darf nicht warten, bis der gute Wille des Sultans dä ist. Alle Wege müssen ausgenützt, es muss ein Zentrum geschaffen werden, jeder Jude soll einen Ort haben, wo er hingehen kann, um zu leben, die verfaulten Kräfte sollen tun, was sie wollen. Wir reden im Namen von unseren Volksgenossen, gegen jede Unterdrückung, gegen jeden Mystizismus. (Beifall.) Wir kämpfen auf Leben und Tod, der Sieg wird sein auf Seite der grossen Selbständigkeit. (Beifall bei einem Teile der Deleg.) Del. Stand (mit lebhaftem Beifall begrüsst): Hochverehrte Versammlung! Der Augenblick, in dem wir uns jetzt befinden, ist ein historischer. Was vor zwei Jahren geschah und was heute geschieht, ist etwas ganz Neues, etwas ganz Eigenartiges im Judentum. Zwanzig Jahrhunderte -hat man uns vollkommen ignoriert. Als unser grosser, unsterblicher Führer kam und eine grosse, neue jüdische Bewegung schuf, da kam eines der grössten und mächtigsten Reiche und hatte für uns ein Angebot. Zum erstehmal seit zwanzig Jahrhunderten würde dem Bettlervolke der Juden etwas angeboten-, und zwei Jahre später stehen wir vor einem noch schöneren Ereignis: Wir, dieses alte Bettlervolk, wir haben dieses Angebot untersucht, und zum erstenmal in unserer langen Geschichte verbeugen wir uns nicht, sondern schreien laut in die. Welt hinaus: Nein! (Beifall.) Die Herren stellen uns vor eine Alternative, ob wir ein schwaches „Ja" oder ein starkes „Nein" sagen sollen. Es ist besser, ein starkes „Nein" zu sagen, und in dem Momente, wo wir „nein" sagen, vollzieht sich eine Wendung der Geschichte. Wir haben aufgehört, Schnorrer zu sein und werden freie Juden. (Lebhafter Beifall.) Wir sind nicht die Könige der Schnorrer und nicht die Schnorrer ohne König, wir sind auch nicht die Schnorrer vor einem König. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Jetzt fragt man uns, ob wir, wenn wir „nein" sagen, nicht eine grosse Verantwortlichkeit auf uns laden. Selbstverständlich laden wir eine grosse Verantwortlichkeit auf uns. Leichtsinnig darf das „Nein" nicht gesagt werden. Denn es gibt ein zweifaches „Nein". Es gibt ein „Nein", das ein Protz sagt, wenn jemand kommt und etwas bietet; es gibt aber auch ein „Nein", das eine verzweifelte Nation sagt, die um ihre Existenz tagtäglich und stündlich ringt und diese Existenz auf ihrem historischen Boden erringen will; dann sagt sie auf alles „nein", was dagegen spricht. (Lebhafter Beifall.) Und wir. schliessen nicht mit diesem „Nein", das wäre schlecht. In dem Momente, wo wir „nein" gesagt haben, beginnt für den Zionismus eine neue Epoche. Wir müssen trachten, mit allen Kräften für dieses alte Land Zion alles anzuwerben, damit dieses „Nein" produktive Kräfte, Kräfte aus dem grossen Reservoir, aus dem jüdischen Stamme werbe. So verstehen wir dieses grosse „Nein". Wir sehen in diesem Kongresssaale merkwürdige Verhältnisse. Unsere Bewegung dauert acht Jahre, und da sie eine ideale Bewegung ist, da sie das ganze Volk zu Regeneration heranziehen will, ist man der Meinung, dass in der ersten Linie die Avantgarde die Jugend bildet. So ist es bei anderen Völkern, bei aussterbenden Nationen. Da spricht zuerst die Jugend. Dagegen, das ist das Merkwürdige, ist bei uns die Jugend uns feindlich. Was jung sein soll an Kraft, an Zähigkeit, an Ausdauer, das flüchtet sich in dem Momente, wo man Kräfte, Zähigkeit und Ausdauer verlangt. Meine Damen und Herren! Wir täuschen niemanden: Die zionistische Bewegung erfordert eine ungeheuere Anstrengung; grosse Hindernisse stehen uns im Wege. Aber wo Hindernisse im Wege stehen, da haben wir aus der Geschichte gelernt, dass die Jugend sich an die Spitze stellt, um diese Hindernisse mit ihren gesunden Nerven, mit ihrer Zähigkeit, mit ihrer Kraft zu bewältigen. (Lebhafter Beifall.)

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