Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 7 (1905) Basel, 27. Juli bis 2. August 1905
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 116 (sequence 114)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 116 — Ausserdem dürfen wir gleichzeitig folgendes wichtige Moment nie vergessen: zu welchen Folgen diese „Nebenarbeiten", dieser Ugandismus führen. Ein gutes Beispiel liefert uns Herr Chasan. Herr Chasan, der von dieser Tribüne aus unser Land so beschimpft hat, hat am letzten Kongress folgendes gesagt (liest) : „Das Streben im Volke nach einem Staate in Palästina wird immer aufrecht bleiben, und deshalb ist die Befürchtung nicht gerechtfertigt, dass durch den ostafrikanischen Plan die Zionsidee an Bedeutung verlieren könnte." (Gelächter, Pfui-Rufe.) An diesem Herrn Chasan sehen Sie die Früchte, die Uganda und Ugandismus gezeitigt haben I Sie sehen den direkten Uebergang vom Ugandismus zum Territorialismus. Wenn wir unsere Bewegung davon nicht befreien, so müssen wir noch viele solche Früchte erwarten. (Lebhafter Beifall.) Mein Kollege Ussischkin hat hier im Auftrage der Zione Zion eine Resolution beantragt. Sie haben beschlossen, heute darüber abzustimmen. Diese Resolution enthält den einzigen Weg, den wir zur Gesundung unserer Bewegung von der zweijährigen Krankheit haben. (Lebhafter Beifall.) Wir, die wir diese Krankheit durchgemacht haben, sind vor einer abermaligen Infektion gesichert. Das ist vielleicht der einzige Trost, den ich als Arzt in der Uganda-Sache erblicken kann. Es kommen aber neue Anhänger; diese müssen wir vor der Infektion schützen. Darum bitte ich Sie, diese Resolution anzunehmen. Geehrte Kongressmitglieder! Wir stehen vor einem historischen Moment; den ganzen Ernst der bevorstehenden Abstimmung müssen Sie sich ans Herz legen. Die Augen des ganzen Volkes sind hierher gerichtet. Nicht nur das Volk, unser Mutterland Palästina wartet auch auf Antwort. Es sind hierher seine Söhne aus Palästina gekommen, die das Glück haben, schon auf seiner Scholle zu leben. Sie werden ihm den Gruss von hier bringen und sagen, ob wir seiner gedenken, ob wir alle Kräfte ihm zu widmen bereit sind, ob wir das „Im äschkochech" nur auf den Lippen haben, oder im Herzen tragen. Und in diesem historischen Moment beschwöre ich euch, unserem Lande die Treue zu bewahren. (Lebhafter, lang anhaltender Beifall und Händeklatschen. — Redner wird von vielen beglückwünscht.) Del. Chasan (von lebhaftem Beifall und Händeklatschen, sowie von Zischen und lärmenden Zwischenrufen empfangen): Herr Tschlenow hat die Behauptung aufgestellt, dass wir zwei Jahre hintereinander die Anhänger der Palästinafrage getadelt haben, dass wir nur gestritten haben. Ich bemerke, dass das nicht richtig ist. Wir haben zwei Jahre hindurch gegen Palästina eine kolossale Agitation geführt, aber die Mehrheit des Kongresses ist jetzt gegen uns. Herr Tschlenow kommt aus einem Lande zu'dem Kongresse, in welchem die Regierung sagt, das Volk wolle keine Volksvertretung. Er hat seinen Kollegen eine moralische Lektion gegeben, indem er sagte, kein einziger Territorialist habe einen Schekel gezahlt. Der gute Herr Tschlenow, das sagt er in einem Kongresse, dessen Mehrheit palästinensisch ist. Wir haben keinen Grund, mit unseren Anschauungen zurückzuhalten. Offenherzig, frei und dreist sprechen wir unsere Ansichten aus, aber das Falsche, das man auf unsere Rechnung stellt, muss konstatiert werden. Als Kampfmittel gegen den Territorialismus benutzt man die Verleumdung, dass die Territorialisten prinzipielle Gegner Palästinas sind. Ich rede im Namen der Partei. ' Wer behauptet, dass die territorialistische Partei prinzipiell gegen Palästina sei, spricht eine schändliche Verleumdung aus. (Beifall. — Zwischenrufe.) Wir Territorialisten sind gegen das Prinzip: Nur Palästina, abef nicht gegen Palästina überhaupt. Wir sagen, die Hauptfrage im jüdischen Leben ist, ein Land für das jüdische Volk zu bekommen. Welches Land,