Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 7 (1905) Basel, 27. Juli bis 2. August 1905
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 114 (sequence 112)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 114 — unser Volksgeist seinen eigenen Boden findet, lebende Traditionen, wo die Gegenwart mit der Vergangenheit in harmonische Verbindung kommt. Schliesslich und hauptsächlich muss das Land eine solche Attraktionskraft besitzen, dass die kolossal schwierige Aufgabe, die wir übernommen haben, gelingen könnte. Vergessen wir nicht: Die Geschichte hat solche Präzedenzien nicht aufzuweisen. Und bei unserer Lage, unserem Mangel an Mitteln und Kräften müssen wir mehr als alle anderen auf die Kraft der Imponderabilia rechnen. Hören Sie, was unser verstorbener Führer H e r z 1 darüber in einem Briefe an Baron Hirsch im Jahre 1895 geschrieben hat: „Glauben Sie mir, die Politik eines ganzen Volkes — besonders wenn es so in aller Welt zerstreut ist — macht man nur mit Imponderabilien, die hoch in der Luft schweben. — Und wer damit nichts anzufangen weiss, der mag ein vortrefflicher und nüchterner Mann sein und selbst ein Wohltäter in grossem Stil. Führen wird er die Menschen nicht, und es wird keine Spur von ihm bleiben/' — i Wie prophetisch klingen diese Worte! Denken Sie, dass Baron Hirsch einen solchen Kongress, wie den unsrigen, hätte zusammenbringen können? NeinI Herzl hat ihn zusammengebracht, weil er den Weg zum Herzen des jüdischen Volkes gefunden hat. (Lebhafter Beifall.) Alle diese Bedingungen zusammen haben wir nur und ausschliesslich in einem Lande, in unserem Lande! Hier ist es möglich, diese Metropole zu schaffen, von hier wird die Lage des ganzen Volkes beeinflusst, die Ausnahmestellung in allen Ländern aufgehoben und das Bedürfnis nach nationalem Leben und Entwicklung erfüllt werden. Das sind wichtige Motive, die für Palästina sprechen. Selbstverständlich wären sie nicht ausreichend, wenn die Eigenschaften des Landes selbst den Zwecken des Auflebens unseres Volkes nicht entsprochen hätten. Das zu beweisen, wird jedoch von den Territorialisten versucht. Es ist aber grundfalsch; die besten Forscher beweisen, dass unser Land nur auf Kultur und Kraft wartet, um neues, blühendes Leben zu entwickeln. Die Forschungen und Kolonisationsversuche anderer Völker haben andererseits zur Genüge bewiesen, dass unsere kolonisatorische Tätigkeit in jedem anderen Lande nur zur Besserung der Lage einer grösseren oder kleineren Gruppe von Juden führen könnte, aber keineswegs zur Bildung eines Zentrums, einer Metropole des zerstreuten Volkes, was einzig und allein unser Problem lösen könnte. Viele, die zuerst mit dem Judenstaate begonnen haben, sind nachher zu dieser Ueberzeugung gekommen, darunter Dr. Herzl. Als wir das letzte Mal im April 1904 in Wien zusammen waren, hat er sich an uns mit folgenden Worten, die ich nie vergessen werde, gewandt: „Als Judenstaatler," sagte er, „bin ich zu euch gekommen; ich habe euch meine Visitenkarte überreicht. Herzl — Judenstaatler! Im Laufe der Jahre, im Laufe meiner Arbeit, als ich näher mit meinem Volke in Berührung gekommen bin, habe ich vieles gelernt, und jetzt sage ich euch: Das Problem des jüdischen Volkes ist nur in Palästina zu lösen." Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Dies war das Testament unseres Führers, welches er in der letzten Sitzung, die er in Wien noch geleitet hat, in unserer Gegenwart abgab. Ja, nur das Problem des jüdischen Volkes, des ganzen Volkes, das ist die Aufgabe des Zionismus. Nicht philantropische Hilfe, nicht Emigrationsfra&e.n> sondern das ganze Problem im Kern zu lösen, die Bedingungen — wie auch Z a n g w i 11 gestern mit Recht sagte — der politischen Lage des ganzen Volkes und des inneren Volkslebens zu ändern — das ist unser Zweck. Und mit unserem Führer zusammen sagen wir: Nur in Palästina kann unser Problem gelöst werden. Jetzt, Herr Zangwill, wenn Sie uns über andere Länder fragen, werden Sie unsere Antwort verstehen. Unserem Zwecke entspricht nur ein