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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1905-01-01 · 7 (1905) Basel, 27. Juli bis 2. August 1905 · p. Seite 112

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
7 (1905) Basel, 27. Juli bis 2. August 1905
Date
1905-01-01
Page
Seite 112 (sequence 110)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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— 112 — gern hat. Nur wandten die Völker bis jetzt immer eine Methode an: uns zu drücken und zu verfolgen. England ist das erste Volk, das verstanden hat, dass es der beste Weg ist, dem Judenvolke zu seiner Heimstätte zu verhelfen. (Lebhafter Beifall.) Wir wollen hoffen; dass, was England verstanden, auch die übrigen Völker verstehen werden, und dann würde es uns viel leichter sein, unser Ziel zu erreichen. Wir hoffen auch noch auf weiteres: wenn England einsehen wird, dass wir nur in Palästina unser Ziel erreichen können, wird es zu diesem Zwecke uns behilflich sein (Grosser Beifall), auch im Interesse des englischen Volkes. Nun kommt Mister Z a n g w i 11 und fragt: Ich bin auch geneigt, zu finden, Uganda sei nicht ganz für uns passend. Man könnte uns aber einbesseres, grösseres Land vorschlagen; was werden Sie dann antworten? Meine Herren! Die Antwort, glaube ich, hat Mister Z an g will gleichzeitig dann schon im Saale verstehen können. Ich werde sieaber jetzt im Namen aller Zione-Zionisten klar und deutlich ihm sagen: Nein! (Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Ein anderes Land können wir nicht und wollen wir nicht annehmen. Warum? Um dies zu begründen, muss ich mich leider in eine theoretische Erörterung jetzt einlassen, unseren Standpunkt begründen, wenigstens kurz. Ich kann mich jetzt nicht so ausführlich, wie es das Thema erfordert, verbreiten. Aber wenigstens die Grundursachen will ich angeben. Der Kernpunkt unseres Programmes ist, dass wir für das jüdische Volk eine öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte in Palästina schaffen wollen. Wie stellen Sie sich eine „Heimstätte für das Volk" vor? Denken Sie wirklich, dass wir das ganze Volk, das auf allen Erdteilen zerstreut ist, wieder in einem Punkt versammeln werden? Eine solche Konzentration des ganzen Judenvolkes ist, wollen wir zugeben, möglich. Das ist aber eine so weite Aufgabe, dass wir über sie jetzt natürlich gar nicht diskutieren können. Unsere nächste Aufgabe ist die, eine Heimstätte für einen Teil des Volkes zu schaffen, aber eine solche Heimstätte und in einem solchen Lande, dass durch sie die Lage des ganzen Volkes, aller seiner zerstreuten Teile, im Grunde sich ändern wird. (Lebhafter Beifall.) Das jüdische Volk hat zweierlei Leiden: es leidet sittlich und leiblich, national und politisch. Seitdem wir unser Heim verloren haben, sind wir überall in der Minorität, überall in einer Ausnahmestellung. Da liegt die Ursache der spezifischen sozialen und politischen Leiden, der spezifischen materiellen Judennot, die unser Schicksal ausmacht. Neben dieser steht die zweite. Das jüdische Volk hat einen starken, unbeugsamen Geist; Er kann sich nicht assimilieren. Unsere Geschichte hat es vollständig bewiesen. Und da es in der Diaspora, in allen Ländern, mit fremden und oft starken Kulturen zu tun hat, so leidet es geistig in allen Ländern. Das ist diegeistigejudennot. Es ist nicht leicht zu sagen, welche Leiden schwerer sind. Unser verehrter Präsident, Herr Dr. Nord au, hat in seiner Rede am ersten Kongress mit Recht gesagt, dass „die sittliche Judennot noch bitterer ist als die leibliche, weil sie höher differenzierte, stolzere und feiner fühlende Menschen heimsucht". Bedenken Sie diese Worte, dann werden Sie mit mir einverstanden sein, dass, wenn auch die soziale Lage unseres Volkes sich in der Diaspora bessern wird, die sittliche Judennot noch stärker werden wird. Je freier wir werden, desto stolzer werden wir, desto mehr entwickelt sich das nationale,Bewusstsein und desto mehr werden wir leiden. 'Aber auch die soziale Lage kann sich nicht wesentlich ändern, solange wir überall eine Ausnahmestellung einnehmen. Wie ist da zu helfen? Wenn wir das jüdische Volk retten wollen, müüssen wir in beiden Richtungen gleichzeitig arbeiten. Und was ist da zu machen?

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