Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 7 (1905) Basel, 27. Juli bis 2. August 1905
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 111 (sequence 109)
- Language
- German, English, Hebrew
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— Iii — Wir sagen, dass zur Lösung der Judenfrage in den Zionismus als Zentrum die soziale Frage der Juden, die wandern, die wandern müssen, die aus Russland auch wandern werden, nachdem das Regime verändert werden wird, die Frage der jüdischen Arbeitermassen gestellt werden muss, die Frage des jüdischen Proletariats mit seinen Methoden, mit seiner Weltanschauung, beleuchtet von seinen Ideen, und Sie alle, Sie, die Vertreter des reinen jüdisch-nationalen Gedankens, der jüdischen Kultur, wie Sie sie verstehen, müssen sich um das Zentrum gruppieren. (Stürmischer Beifall. — Lärm.) Del. Dr. Tschlenow (mit langandauerndem stürmischen Beifall und Händeklatschen begrüsst): Geehrter Kongress! Ich habe die Aufgabe übernommen, hier als Generalredner aufzutreten, nicht in der Erwartung", jetzt diejenigen, die bisher noch keine Meinung über die wichtigste Frage des Kongresses haben, überzeugen zu können. Zwei Jahre sind verflossen, seit in unsere Bewegung ein neues Wort, eine neue Idee eingeführt wurde. Im Laufe dieser Jahre haben wir fast nur eines getan: wir haben darüber diskutiert und gestritten. Unsere Literatur, unsere Sitzungen, Delegiertentage — alle waren dieser Frage gewidmet. Und wer sich bis jetzt über sie noch keine Meinung geschaffen, dem werden jetzt die Reden am Kongresse nichts beibringen. Wenn ich aber diese Aufgabe übernommen habe, wenn ich dem Willen meiner Freunde gefolgt bin, so geschah es nur aus der Pflicht heraus, unseren Standpunkt hier klar zu machen und jene Folgerungen zu definieren, die aus diesem allgemeinen Standpunkte sich ergeben. Ich habe noch eine Pflicht, eine konkrete Frage zu behandeln, das ist eben das Uganda-Projekt. Ueber Uganda werde ich nicht viel sprechen müssen. Die Berichte, die uns vorgelegen sind, die auch in der „Welt" publiziert wurden, haben diese Arbeit sehr erleichtert. Wie Sie wissen, sind in den Berichten Unterschiede vorhanden. Nach dem günstigsten werden wir, nach Aufwand der grössten Kräfte und Mittel, nach Jahrzehnten, vielleicht 20 000 Seelen dort ansässig haben; nach dem Berichte von Prof. Kaiser kaum 5000 Seelen, und nach dem letzten werden wir auch das nicht erreichen können. Das soll uns nicht wundern. Die Deutschen in Süd-Afrika zählen, nach 20 Jahren, noch keine 2000 Seelen! Sie werden sich alle wohl erinnern, welche Hoffnungen mit diesem Projekt am letzten Kongresse verbunden waren; welche Hoffnungen die Freunde des Projektes in unserem unglückseligen und hungernden Volke erweckt haben. Was ist schliesslich das Resultat? Wenn wir Jahrzehnte lang Kräfte und Mittel anwenden, dann werden wir, im besten Falle, ein Fünftel, vielleicht ein Viertel desjenigen erreichen, was unsere Emigration aus Russland allein in den letzten Jahren jährlich liefert. Zum Zionismus als solchen hat das also keine Beziehung. Man könnte denken: Die Wohltätigkeits- oder Emigrationsgesellschaften werden sich damit befassen wollen. Sie wissen, es sind Schritte in dieser Richtung gemacht worden. Herr Wolffsohn hat sehr breite Fühlungen mit allen Gesellschaften genommen, und es haben sich nur wenige gefunden, die auch nur beraten wollten. Das ist auch leicht zu begreifen. Die Idee, auf die wir uns stützen, haben diese Gesellschaften nicht. Ohne eine solche sind Kolonisationsprojekte im grossen Stile nie durchführbar. Also die wollen es auch nicht. Es bleibt uns nur eines übrig: das Projekt ablehnen; aber dankend ablehnen. Herr S h i r e hat gestern, meiner Meinung nach, sehr unrecht gehabt, als er die englische Regierung tadeln wollte, sie habe in ihrem eigenen Interesse dabei gehandelt. (Lebhafter Beifall.) Meine Herren! Wir bauen den politischen Zionismus eben nicht nur auf dem Interesse des Judenvolkes, sondern gewissermassen auf dem Interesse aller Völker auf. (Lebhafte Zustimmung.) Wir wissen ja, dass man uns in manchen Ländern nicht sehr