Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 7 (1905) Basel, 27. Juli bis 2. August 1905
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 109 (sequence 107)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
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— 109 — sie haben nicht das grosse Gefühl, den grossen Stolz des Proletariats, das seiner Zukunft sich bewusst ist, und deshalb sieht man, dass ungeachtet der grossen idealistischen Bewegung in der grossen Masse keine Organisation geschaffen wurde, die in den Ländern, wo sie lebt, ihre Lage irgendwie ändern, die hier im Lande für ihre Befreiung kämpfen könnte. So kam es, dass das jüdische Proletariat, das, namentlich in Russland, von dem Joche der politischen Form gedrückt, seine Erlösung in der Veränderung der Regierungsform gesehen hat, nunmehr zu der Ueberzeugung kam, dass die jüdische Frage nicht die Frage dieser oder jener Regierungsform, sondern eine grosse historische Frage ist, dass die Frage der jüdischen Wanderung keine vorübergehende, sondern eine alte, periodische Wanderung ist. Wenn wir den Grund dieser Auswanderung erforschen, dann haben wir auf die Hauptfrage des jüdischen Problems eine Antwort gegeben, und wenn diese Leute ihren Geist in die Bewegung hineintragen, dann ist sie auch die Bewegung der wirklichen jüdischen Massen, der Millionen von jüdischen Männern und Frauen. So kam es, meine Herren, dass das jüdische Proletariat, .getragen von seinem sozialistischen Bewusstsein, von seiner sozialistischen Weltanschauung, sich an die Judenfrage gewendet und in ihr seine Frage ersehen hat. Das Proletariat, für das im Zionismus das soziale Element die Hauptfrage bildete, das in seiner sozialistischen Weltanschauung weiss, dass alles andere, alle Ideologien nur ein gewisser Ausdruck von einer gewissen sozialen Struktur sind, für die es keineswegs, wie für die gelehrten Herren des Zionismus, ein Wunder ist, warum die jüdische Bourgeoisie sich assimiliert und nicht in die Reihen des Zionismus tritt, das jüdische Proletariat ahnt und begreift, dass die jüdische Bourgeoisie sich assimiliert und assimilieren wird. Das. jüdische Proletariat weiss aber, dass sein nationales Streben, sein nationales Schaffen, dass alles möglich sein wird, wenn das grosse jüdische Volk, die" Millionen von Juden auf eigenem Lande zu freier Entwicklung gelangt sein werden. So kam es, dass das jüdische Proletariat, dem das sozial-ökonomische Element Hauptelement ist, gar nicht so leicht die Frage beantwortet hat, wie es die Herren getan haben, für die das traditionelle und romantische Element die Hauptsache war. Vizepräsident Dr. Alex. Marmorek: Ich muss Sie darauf aufmerksam machen, dass Ihre Zeit bald um sein wird. Del. Briskmann: Nur noch zehn Minuten. (Lebhafte Rufe: Schluss!) Vizepräsident Dr. Alex. Marmorek: Ich bitte um Ruhe für den Redneri Wollen Sie fortfahren. Del. Briskmann (fortfahrend): So kam es, meine Herren, dass das jüdische Proletariat ernst und strenge an diese Frage herangetreten ist und gesehen hat, was für ein wichtiges Problem, was für ein schwieriges Problem . . . (Lebhafte Schlussrufe.) Ich habe noch zehn Minuten Redezeit bekommen, lassen Sie mich diese aussprechen. (Erneuerte Schlussrufe. — Unruhe.) Vizepräsident Dr. Alex. Marmorek: Ich bitte um Ruhe. Del. Briskmann (fortfahrend): Das jüdische Proletariat hat gesehen, dass diese Frage sich gar nicht so beantworten lässt, wie die Leute es getan haben, für die die Frage der Auswanderung, die soziale Frage, die wirkliche Umwälzung, der Uebergang von einem Land in das andere, von einem ökonomischen Verhältnis in das andere ihrer ganzen sozial-ökonomischen Lage nach, ihrer ganzen Psychologie nach nicht in erster Reihe in Betracht kommen. Und da hat man dem jüdischen Proletariat gesagt: Palästina! Meine Herren! Ich weiss, dass ich, wenn ich von Palästina spreche, an Ihr