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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1905-01-01 · 7 (1905) Basel, 27. Juli bis 2. August 1905 · p. Seite 108

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
7 (1905) Basel, 27. Juli bis 2. August 1905
Date
1905-01-01
Page
Seite 108 (sequence 106)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
…/3476254-3476268--2318-3478457
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— 108 — Ich habe ja erklärt, dass wir von Ihnen, einer Majorität, nur etwas verlangen, nämlich, dass Sie uns erlauben, vor der jüdischen Meinung auszusagen, was wir im Herzen tragen. Sie sind die Majorität, aber Sie sollen uns die Freiheit der Meinungen geben. Was aber aus dem Zionismus geworden ist, das wissen Sie alle ganz gut. Sie wissen, welche Lehren uns die 7 Jahre gegeben haben. Die grosse jüdische Bourgeoisie, an die man sich doch ebenfalls im Namen der Majorität wendete, hat unserem Rufe nicht entsprochen. Sie wissen, dass es weder in Deutschland, noch in England, noch in Italien, noch in Oesterreich eine Bewegung der jüdischen Bourgeoisie für den Zionismus gibt. Sie wissen, dass H e r z 1 sich zuerst auf die jüdische Bourgeoisie verlassen hat. Er hat geschrieben: Wir werden uns an die Reichen wenden. Die Reichen haben nicht geantwortet. Im Zionismus stand die Mittelklasse, der Mittelstand, der nicht auswandern kann, der durch seine ganze ökonomische und soziale Stellung an das Land gebunden ist, in dem er sich befindet. Dieser Mittelstand hat in den Zionismus hineingetragen, was in seinem Herzen war. Er war national gestimmt, er konnte sich nicht assimilieren, wollte dies auch nicht in den gegenwärtigen Generationen. Dieser Mittelstand hat in den Zionismus die Kulturfrage hineingetragen. Auf allen Kongressen wurde von der jüdischen Jugend der jüdischen Renaissance die Kulturfrage zur Sprache gebracht. Das war eine Idee nach dem Herzen des Mittelstandes. Dafür waren die begeistert, die nicht ganz indifferent gegenüber der jüdischen Frage geblieben waren. Der Zionismus hat eine Bank, einen Nationalfonds geschaffen. Sie wissen, wie gross er geworden ist, welche gewaltigen Mittel ihm zugeflossen sind. In dieser Zeit entstand im jüdischen Volke eine neue Bewegung. Die /alte jüdische Auswanderung fing wieder an, aber eine veränderte. Die jüdischen Arbeitermassen, die Teile der jüdischen Kleinbourgeoisie, die heruntergekommen waren, die nicht mehr in ihrer alten sozialen Stellung bleiben konnten, mussten auswandern und Arbeiter werden. Wenn die jüdische Arbeitermasse sich überall ausleben könnte, wenn sie das sozialistische Ideal in seiner ganzen Grösse, in der ganzen Begeisterung, die es bei anderen hervorruft, verwirklichen könnte, stünde hier vielleicht ein Vertreter des Proletariats, nicht aber ein Vertreter des jüdischen Proletariats, der im Namen des sozialistischen Gedankens des jüdischen Proletariats am Kongress teilnahm. So aber kam ein Moment, wo die Massen, ich möchte sagen, die stumpfen Massen — ich will niemand angreifen, aber erlauben Sie es mir, zu sagen — die Massen, die wandern, in diesem Kongresse nicht genügend vertreten sind. Diese Massen, in deren Leben eine grosse Veränderung vorgegangen ist, die von revolutionärem Geiste getragen sind, die nicht den realen Boden, nicht die Wirklichkeit in Händen haben, um zu schaffen, diese Leute wandern nach Frankreich, England, Amerika und dort kommen sie auch nicht in das Leben hinein, dort bleiben sie auch am Rande des Lebens. Alle objektiven Beobachter des jüdischen Lebens in New York und anderen Plätzen konstatieren, dass die Juden dort nur deshalb existieren, weil sie sich mehr als andere exploitieren lassen. So wohnen sie in einem Zimmer bis zu 14, wo andere nur zu 2 existieren. Die Juden existieren nur in solchen Produktionsformen, die von Tag zu Tag dem Untergange geweiht sind, wie das Handwerk, die kleine Fabrikation, so dass die jüdischen Massen weder eine materielle Gegenwart noch Zukunft, nicht einmal eine grosse moralische Gegenwart haben. Sie haben nicht das Gefühl, das das Proletariat anderer Lander hat,' Herr des Landes zu sein. Sie haben nicht das Bewusstsein, dass sie im Leben die Hauptkraft sind,

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