Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 7 (1905) Basel, 27. Juli bis 2. August 1905
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 107 (sequence 105)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 107 — um sich eine gewisse Anzahl von Vertretern der jüdischen Bourgeoisie, die selbst nicht an der Lösung der jüdischen Frage oder gerade an dieser Lösung der jüdischen Frage interessiert waren. Wir wissen, dass die ganze jüdische Bourgeoisie als Klasse und Hauptmasse in ihren Lehren immer gegen die zionistische Bewegung gewesen ist. (Lebhafte Zustimmung.) Aber diese Leute kamen zu uns. Ich will nicht von ihrem nationalen Bewusstsein sprechen — das gehört nicht hierher, denn ich spreche nur von der sozialen Seite der Bewegung — diese Leute kamen zu uns als Philanthropen, die höher standen als die anderen Philanthropen. Sofern der Zionismus eine soziale Bewegung gewesen ist, sagten sich nicht die jüdischen Kapitalisten, sie wissen nicht, wo sie ihre Kapitalien anlegen könnten, sie müssen sich ein eigenes Land schaffen. (Unruhe.) Vizepräsident Dr. Marmorek: Ich bitte um Ruhe für den Redner. Del. Briskmann (fortsetzend): Da müssen wir irgend ein Land verschaffen. Die Kinder der jüdischen europäischen Bourgeoisie kamen zu uns als Philanthropen ... (Schlussrufe.) Vizepräsident Dr. Marmorek: Es ist beschlossen worden, dass die Redner eine Stunde sprechen. (Widerspruch und Rufe: Eine halbe Stunde!) Wir werden jetzt die Uganda-Frage nicht unterbrechen lassen. (Zwischenrufe.) Ich bitte die Ordner, für Ruhe zu sorgen. Del. Briskmaim (fortsetzend): ... Diejenigen, die es verstanden haben, dass durch Philanthropie nicht geholfen werden kann, diese Leute sammelten sich um Herzl. Von der anderen Seite kamen die alten Chowewe-Zion, kamen die Kleinbürger und der Mittelstand. Wenn Sie das betrachten, werden Sie sehen, dass kein einziger aus der Klasse, von der ich spreche, kein einziger Vertreter der Anschauungen dieser Klasse an diesem Tische sitzt. (Zunehmende Unruhe.) Sie wissen ja, wie weit in das jüdische Proletariat der sozialistische Gedanke eingedrungen ist, und doch sitzt an diesem Tische kein einziger Mensch, — ich will nicht sagen — dessen Weltanschauung nicht die sozialistische ist, aber der im Zionismus den sozialistischen Gedanken vertreten soll. Sie wissen, dass alle Leute, die hierher kamen, die alten Vertreter des Kleinbürgertums waren, die vor. dem Erscheinen des Herzlbuches nur von Palästina, nur von der Liebe zum jüdischen Kulturwerke sprachen. Sie wissen, dass alle, die hier sitzen, an der jüdischen Lage mitgearbeitet haben. (Beifall.) Sie wissen, dass, als im jüdischen Proletariat eine grosse Bewegung entstand, über die man verschiedenster Meinung sein kann, aber der nicht abgesprochen werden darf, dass sie von einem grossen Bedürfnis nach Selbsthilfe getragen wurde, dass von diesen Leuten niemand davon etwas verstand. In der Zeit, wo in der jüdischen Welt die grossen Bewegungen angefangen haben, herrschte in der Presse der Chowewe-Zion der alte, traditionelle Zionismus. (Unruhe und Rufe: Es wurde beschlossen, dass jeder Redner eine halbe Stunde sprechen soll.) Vizepräsident Dr. Marmorek: Ich bitte um Ruhe. (Rufe: Das ist ein Missbrauch! Schluss, Schluss!) Ich bitte um Ruhe. Herr Briskmann wird eine Stunde sprechen. Del. Briskmann (fortsetzend): Diese Leute sammelten sich um Dr. Herzl; weil sie die Mehrheit, weil sie zu der Zeit die einzigen Vertreter des jüdischen Volkes vor den westeuropäischen Juden waren, haben sie ihren Chowewe-Zionismus, ihren traditionellen Zionismus hineingetragen; sie sagten sich: das grosse zionistische Ideal ist nicht eine soziale Veränderung, revolu- - tionär waren ihre Reden nicht, das grosse jüdische Ideal, das sie im Herzen trugen, war die alte Liebe zu Palästina, das traditionelle Kleinbürgertum. (Lebhafte Zwischenrufe und Ausdrücke der Ungeduld.)