Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 7 (1905) Basel, 27. Juli bis 2. August 1905
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 104 (sequence 102)
- Language
- German, English, Hebrew
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- 104 — Das ist die grosse historische Beschuldigung, die ich gegen Sie erhebe, eine Beschuldigung -— ich sage nicht, im Namen, des Uganda-Projektes, das richtig oder falsch sein mag — im Namen der nationalen Ehre, dieses Kongresses, vor dem das A. C. doch Achtung haben müsste. Es hätte es nicht zugeben sollen, dass ein einzelner Herr, Mr. Gre je Imberg, alles auf seine eigene Verantwortlichkeit ausgeführt hat, dass der Kongress, dass die ganze zionistische Bewegung darauf angewiesen wäre, dass ein Herr, der mit Mr. Greenberg gesprochen hatte, ihm nach zwei Tagen einen Scheck zuschickte, das ist eine Schmach, das gebe ich zu, aber die Schande fällt nicht auf das jüdische Volk, sie fällt auf das A. C. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Wir sind hier auf dem Kongress in einer Minderheit erschienen. Das wissen wir. Vielleicht war es unsere Schuld, zum mindesten teilweise. Wir haben nicht daran gedacht, das Volk genügend aufzuklären; wir haben keine genügende Agitation gemacht. Wir haben nicht daran gedacht, dass für unsere Gegner die Tradition sprach, während für uns etwas Neues, etwas Grosses, noch nie Dagewesenes, etwas Revolutionäres sprechen musste. Wir haben nicht daran gedacht; wir waren noch zu jung; wir sind eben im jüdischen Leben erschienen. Wir haben auch — wenigstens viele von uns — noch .anderes zu tun. Sie wissen, welche gewaltige Bewegung das Land erweckt hat, in dem wir wohnen. Sie wissen, dass viele von uns demgegenüber nicht gleichgültig geblieben sind. Sie wissen, welche furchtbaren Pogrome in Russland angefangen haben, Sie wissen, wie viele von uns, gerade von uns, — ich sage das nicht, um die Leistungen anderer herabzuwürdigen — von dieser Bewegung angezogen wurden. Sie wissen, dass wir das Volk zu etwas anderem organisieren mussten, Sie wissen ganz gut, dass wir Versammlungen einberufen haben, dass wir in die Synagogen gegangen sind, aber von dieser Tribüne musste etwas anderes erklingen. Wir haben das Volk zu etwas anderem gerufen. Wir mussten das Volk zum Selbstschutz, zur Selbsthilfe aufrufen. In dieser Zeit konnten wir an nichts anderes denken. (Zwischenrufe.) Ich habe von vornherein gesagt, dass ich niemanden unterschätzen will. So ist es aber, meine Herren, gekommen, dass bei Ihnen sich viele^ fast alle, mit aller Kraft ausschliesslich der zionistischen Tätigkeit widmen konnten. (Lebhafte Zwischenrufe.) Ich gebe d#s zu, ich habe es nicht bestritten. So erkläre ich es mir, dass das jüdische Volk in den Personen seiner Delegierten das grosse Problem nicht genügend zu würdigen verstand, das vor ihm entstanden ist. Und nun stehen wir hier vor dem Momente, wo wir den Beschluss fassen müssen. Ich will Ihnen nichts darüber sagen, denn Ihr Beschluss ist ja schon gefasst. Sie sind ja hierher gekommen, um dieses Projekt nicht anzunehmen. Ich will hier nicht umsonst Worte verlieren, sondern ich will über 'eine ändere Frage sprechen, die mit dieser Frage in Berührung steht, die aber bestehen bleibt, während die andere vielleicht vergeht. Ich will mit Ihnen hier über den TerritoriÄlismus sprechen. Ich weiss zwar, dass Sie auch schon über den Territorialismus einen Beschluss gefasst haben, ich weiss zwar, dass Ihre Beziehungen auch zu dieser Richtung schon längst bestimmt sind, aber ich' will darüber doch einiges sagen. Deshalb habenwir ja verlangt, dass man uns zu Worte kommen lassen soll, denn wir denken, dass diese Bewegung nicht im Sande verlaufen wird, wir denken, dass diese Bewegung eine Zukunft hat, und wir wollen vor der jüdischen öffentlichen Meinung und vor der ganzen zivilisierten Welt das heraussagen, was wir denken, weil es richtig und für unser Volk von grosser Bedeutung ist. Wir sagen, dass die grosse Krise, an der der Zionismus gegenwärtig angelangt ist, nicht eine zufällige ist. Vielleicht ist sie nur dank dem Uganda-Projekt etwas schneller gekommen,