Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 7 (1905) Basel, 27. Juli bis 2. August 1905
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 103 (sequence 101)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 103 — nicht die Leiter der zionistischen Bewegung, denn diese ist demokratisch und muss demokratisch sein, das waren die Leute der alten jüdischen Kultusvorstände, die alles machten, was sie wollten, die dachten, dass sie an der Spitze des Volkes stehen, um dem Volke ihren Willen aufzudrängen, und mit der Ehre, der Grösse und der -nationalen Würde des Volkes nicht rechnen zu müssen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Heute will ich hier sagen, dass man im Berichte Greenberg eine Phrase ausgelassen hat, die Phrase: dass das Geld für das. Uganda-Projekt von einem Christen gegeben worden ist und dass dies eine Schande für das jüdische Volk war. Das A. C. hat uns das nicht übersetzt. Ich weiss nicht, warum, aber ich habe das Recht, zu sagen, weil es sich nicht selbst eine Ohrfeige geben wollte. (Beifall.) Denn die Schmach fällt nicht auf das jüdische Volk, das nicht organisiert ist. Das jüdische Volk in Russland hat fast keine Presse, nur eine solche in hebräischer Sprache, die ausschliesslich in den Händen von Leuten ist, die gegen,das Projekt waren. (Beifall und Proteste.) Präsident Dr. Nordau: Ich bitte den Redner nicht zu unterbrechen. Del. Brinkmann: Die hebräische Sprache kennen die meisten vom Volke nicht. (Oho!) Das ist keine Polemik gegen die hebräische Sprache. Warum unterbrechen Sie mich also? Ich lasse diese Seite ganz ausser acht, das interessiert mich nicht im geringsten. Ich sage: Das jüdische Volk, das nicht organisiert ist, das keinen anderen Ausdruck für seine Wünsche hat, als den Kongress, konnte nicht dagegen protestieren, und deshalb ist die Verantwortung und die Scham für das Geschehene nicht dem jüdischen Volke, sondern den Mitgliedern des A. C. zuzuweisen. Was haben die Mitglieder des A. C. mit einem Beschlüsse des Kongresses getan, der dem jüdischen Volke neue Horizonte eröffnete, der, möchte man für oder gegen ihn sein, vielleicht einen Wendepunkt in der Geschichte des jüdischen Volkes bedeutete? Was haben die Mitglieder des A. C. für alle kommenden Generationen getan, für das ganze jüdische Volk, das aus dem Golus herauskommen muss. Was haben sie mit einem Beschlüsse getan, der, wenigstens theoretisch — ich vertrete noch nicht das Uganda- Projekt, noch nicht den Territorialismus — für uns* etwas Grosses bedeuten konnte, der, wie die ganze öffentliche Meinung anerkennt, die grosse Bewegung, die unter uns Juden selbst entstanden ist, hervorgerufen hat? (Beifall. — Ruf: Stenographieren, bitte! — Schallende Heiterkeit. — Rufe: Es geschieht ja ohnedies!) Lange Zeit "wurde von diesem Beschlüsse gar nicht gesprochen. Solange H e r z 1 lebte, sollte der Beschluss ausgeführt werden, das wissen wir alle ganz gut. H e fr z 1 hat an Mittel gedacht, diesen Beschluss auszuführen, obwohl er der grossen bekannten Opposition begegnete, an die ich hier nicht weiter erinnern will. Seit dem Tode H e'rzfls aber wurde alles beiseite gelassen. Man hat nichts getan, man hat keinen Aufruf erlassen, man hat sich nie an das jüdische Volk gewendet, um Geld zu sammeln. Die Mitglieder des A. C. haben nicht das Recht, sich auf den Beschluss des Kongresses zu beziehen, dass aus den Mitteln der zionistischen Bewegung für diese Expedition kein Geld gegeben werden soll, denn sie wussten von diesem Beschlüsse, als sie ihre Kandidaturen zum A. C. aufstellten. Sie hätten sich an den Kongress wenden und sagen müssen: Wir können nicht Ihre Exekutive sein, denn wSie haben einen Beschluss gefässt, den wir nicht ausführen können. Das haben sie nicht getan. Wir glaubten, an Ihnen Leute zu haben, die wirklich demokratisch gesinnt sind. Wenn Sie aber nach dem erwähnten Beschlüsse Ihre Einwilligung dazu gegeben haben, als Kandidaten für das A. C. aufzutreten, wenn Sie nach diesem Beschlüsse nicht Ihre Demission eingereicht haben, so haben Sie vor der ganzen Welt die Verpflichtung auf sich genommen, diesen Beschluss auszuführen. (Beifall.) Das haben Sie aber nicht getan.