Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 7 (1905) Basel, 27. Juli bis 2. August 1905
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 102 (sequence 100)
- Language
- German, English, Hebrew
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- 102 - mit Achtung und Verehrung zu denken. Ich weiss ja, dass das die einzige Tribüne ist, die bis jetzt das jüdische Volk sich geschaffen hat. Ich weiss auch, dass von dieser Tribüne grosse und erhabene Reden, historische Reden an das jüdische Volk und zum erstenmal an die Aussenwelt im Namen des jüdischen Volkes gerichtet worden sind. Ich weiss auch, dass von aller Herren Länder die Juden mit Aufmerksamkeit zu dieser einzigen Tribüne hinaufschauen. Diese meine Meinung, die ich von dieser Tribüne habe, wird, glaube ich, Ihnen die beste Garantie sein, dass ich mir nicht erlauben werde, von dieser Tribüne aus etwas zu sagen, was von einer wirklich parlamentarischen Tribüne nicht gesagt werden darf. (Beifall.) Ich werde mich vielleicht in eine Kritik einlassen, ich werde vielleicht Meinungen aussprechen, die Ihnen unangenehm, vielleicht höchst unangenehm sein werden, aber das ist doch mein Recht als Delegierter, das ist doch gerade die Ehre der parlamentarischen Tribüne, dass von dieser Tribüne an die ganze Gesellschaft in loyaler Form die Meinung der entgegengesetzten Richtung ausgesprochen werden kann. Ich bitte Sie also, mich nicht zu unterbrechen, solange ich unpersönlich bleibe. Ich bitte die Gegner, ebenso vor der Tribüne und vor ihren Gegnern Achtung zu haben. (Lärm.) Sie müssen vor Ihrem Gegner Achtung haben. (Rufe: Zur Sache!) Sie müssen vor Ihren Gegnern Achtung haben, schon deshalb, weil die Gegner offen und stolz vor Ihnen auftreten, und weil sie wissen, in welch gewaltiger Minorität sie hier auf dem VII. Kongresse erscheinen und doch nicht das Kleinste von ihrer Meinung ablassen, sondern klar und offen ihre Meinung aussprechen. Zuerst also über die Uganda-Frage. Die Uganda-Frage hat im jüdischen und zionistischen Leben eine grosse Bedeutung bekommen. Zwei Jahre wurde über diese Frage diskutiert. Vor 2 Jahren hat sich der Basler Kongress mit dieser Frage beschäftigt und beschlossen, dass diese Frage untersucht und auf Grund von Dokumenten der jüdischen öffentlichen Meinung zur Beschlussfassung vorgelegt werden müsse. Zwei Jahre haben wir geschwiegen im Vertrauen, dass alles getan werde, um den Beschluss des Kongresses auszuführen. Endlich fingen wir zu zweifeln an. Nach einiger Zeit wurde es uns zur Gewissheit, dass dieser Beschluss nicht so genommen worden ist, wie er genommen werden sollte von Leuten, die von demokratischem Prinzip und Geist durchdrungen sind. Heute stehe ich hier, um von diesen Leuten Rechenschaft zu fordern, um gegen diese Leute eine grosse Anklage zu erheben. Heute möchte ich, so schwach meine Kräfte auch sein mögen, das grosse historische „j'accuse", das grosse historische „ich beschuldige" gegen unsere Bevollmächtigten, oder, richtiger gesagt, gegen die Mehrheit unserer Bevollmächtigten vorbringen; will ich hier sagen, dass die Leute, die hier sitzen (auf die Sitze der Präsidiumstribüne weisend), eigentlich auf eine Anklagebank gesetzt werden müssten (Beifall bei einem Teile der Del. — Widerspruch), ja, dass sie bereits auf die Anklagebank gesetzt worden sind, und die Richter, das sind das jüdische Volk und die jüdische Geschichte, und die Strafe wird eine historische sein (Beifall bei einem Teile d. Del.), nicht eine Strafe im persönlichen Sinne, denn der eine oder der andere dieser Leute, ich will glauben, sie alle, waren vielleicht ehrlich und treu in ihrer Absicht, aber eben darum sage ich, dass die Strafe eine tiefere, d,ass sie eine historische sein wird. Es wird eine Zeit kommen, wo man in unserer Geschichte von dieser Epoche erzählen wird. Dann wird man den Kindern, die in demokratischem Geiste aufgewachsen sind, die wissen, was die Ehre einer Person ist und dass die Nation die Kollektivität aller dieser Personen ist, sagen müssen, die Leute, die damals an der Spitze der zionistischen Bewegung standen, die steckten eigentlich so richtig in der Goluspolitik, sie waren