Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 7 (1905) Basel, 27. Juli bis 2. August 1905
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 96 (sequence 94)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 96 — Vizepräsident Dr. Marmorek: Ich bitte, sich zu gedulden, Herr Chasan sagt, dass er bald schliessen wird. Del. Chasan (fortsetzend): Wenn ein jüdisches Land geschaffen werden wird und die jüdische Masse Freiheit bekommt, dann ist es mit dem Zionismus im ganzen zu Ende. Wenn ein freies politisches Zentrum geschaffen ist und die jüdischen Massen nicht nach Zion gehen werden, wenn die jüdischen Intelligenten, welche immer von der jüdischen Kultur sprechen, nicht um den Ort streiten, sondern für die jüdische Kultur arbeiten werden, wird es sich erweisen, dass bisher nur Phrasen gedroschen, aber nicht auf Grund der wirklichen Verhältnisse gesprochen wurde. Ich bin zu Ende. Ich stelle folgenden Antrag: „Der VII. Zionistenkongress spricht seine Unzufriedenheit aus, dass das A. C. einen Beschluss des VI. Zionistenkongresses ignoriert und nicht gehörig ausgeführt hat. Der VII. Zionistenkongress drückt seinen Wunsch aus, dass die Unterhandlungen mit der englischen Regierung keineswegs abgebrochen, sondern weiter fortgesetzt werden und dass eine neue Expedition ausgesandt werde (Gelächter. — Beifall), welche keinen Schwindel, keine Komödie, keine Hemmungsexpedition bedeuten soll. (Beifall.) Wenn" sich dann erweisen wird, dass in Ostafrika ein anderes Land für die jüdische Emigration und Kolonisation geeignet ist, soll der Zionismus mit allen seinen Kräften, den finanziellen, materiellen und geistigen, eine grosse jüdische Kolonisation in einem freien jüdischen Lande zu verwirklichen suchen." (Lebhafter Beifall und Händeklatschen bei einem Teile der Delegierten.) Vizepräsident Dr. Alex. Marmor ek: Der Kongress hat sein Programm, die Diskussion der Uganda-Frage am heutigen Tage zu Ende zu führen, nicht durchführen können. Es liegt der Antrag vor, hier abzubrechen und die Sitzung morgen abends um 9 Uhr fortzusetzen. Es liegt ferner ein Antrag der Herren Dr. H a n t k e, Dr. Moser und Dr. Kalmus vor. Sie beantragen die Wahl von je 4 Generalrednern für beide Parteien. Diese Wahl kann noch heute durchgeführt werden vor Schluss der Sitzung, der in ungefähr 35 Minuten erfolgt. Ich werde die Sitzung auf 10 Minuten unterbrechen und die Herren bitten, sich zur Wahl in zwei Säle zu begeben. Herr Jochelmann beklagt sich. Ich habe ihm, wie er behauptet, das Wort nicht gegeben. Als ich Herrn Jo;chjelmann aufgerufen hatte, da hiess es, er habe das Wort mit Herrn Chasan getauscht, deshalb ist er auch an die Stelle des Herrn Chasan gekommen. Wünscht jemand zu dem geschäftlichen Antrage der Herren Dr. Hantke, Dr. Moser und Dr. Kalmus das Wort? (Zahlreiche Zwischenrufe. — Lärm.) Ich bitte doch um Ruhe; es wird alles geschlichtet werden. Wer einen Antrag einbringen will, soll dies tun, aber ich bitte, doch nicht immer aus der Mitte des Saales heraufzuschreien. Del. Dr. Brande: Mit Rücksicht darauf, dass die eigentliche Zweiteilung der Parteien kaum ganz exakt ist und dass es bei den Herren, die sich pro und contra einschrieben, doch verschiedene Schattierungen gibt und verschiedene Meinungsäusserungen auch noch zur Geltung kommen sollten, schlage ich vor, dass wir im Sinne des bereits gestellten Antrages des Herrn Dr. Boden heimer die Generalredner durch die Landsmannschaften wählen, damit die verschiedenen Schattierungen innerhalb der Landsmannschaften ebenfalls zur Geltung kommen. Da aber die Möglichkeit vorliegt, dass innerhalb der Landsmännschaften die Majorität sich zu einer Unterdrückung der Minorität könnte verleiten lassen, schlage ich